Kalbarri National Park
Australien, CamperLife

Die Lückenfüller

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Wenn im Norden von Western Australien langsam die Saison ausklingt, die Temperaturen steigen und vor allem die Luftfeuchtigkeit gen 100 % klettert, wird es Zeit den Weg in Richtung Süden anzutreten, wo für gewöhnlich bereits der Frühling Einzug gehalten hat. Mit gut einem Monat auf der „Haben-Seite“ ließen wir es gemächlich angehen und grasten fast alles Sehenswerte rechts und links vom Highway ab, auch wenn das manchmal hunderte Kilometer Umweg für uns bedeutete. Unser grober Zeitplan sah vor Anfang Dezember in Perth einzutreffen, um Freunde zu besuchen und einige Dinge zu erledigen sowie im Fortlauf irgendwo im Süden über die Sommerferien zu arbeiten.

Der Mensch ist ein Herdentier das für gewöhnlich seines Gleichen oder zumindest dessen Nähe sucht. Das Leben in der völligen Abgeschiedenheit wird eher den etwas schrägeren Charakteren zugeschrieben. Beim Reisen jedoch schätzt der geneigte Durchschnittseuropäer auch das ruhige Plätzchen, fernab von zu viel Trubel. Gelegentlich führt zu wenig Homo Sapiens in der direkten Umgebung aber zu wirren Phantasien, insbesondere wenn die nächste menschliche Siedlung im dreistelligen Kilometerbereich zu finden ist. Wir stehen in einem ausgetrockneten Flussbett gut 180 km von Marble Bar entfernt. Die Anreise war für Mr. Happy etwas beschwerlich. Die letzten 20 km Staubpiste von der Hauptstraße schüttelten uns und unser Gefährt ordentlich durch, wobei der Schlussanstieg der Uferböschung dann noch einmal für den richtigen Adrenalinkitzel sorgte. Ein wunderschöner Platz, der mit seinem Restwasser selbst in der Trockenzeit noch jede Menge Vögel anlockt, die normalerweise nur an der Küste zu finden sind. Mit dem Einbrechen der Dunkelheit, die für Gewöhnlich bereits kurz nach sechs Uhr beginnt, dreht sich unser Wohlbefinden. Wir lauschen gebannt in die Nacht hinein. Jedes noch so kleine Knarzen oder Knacken aus dem Busch bringt uns sofort in Hab-Acht-Stellung. Ist dort Jemand? Der Lichtkegel der Taschenlampe kann unsere Gewissheit nicht erhellen. Ist es nur ein Tier oder doch der Massenmörder, der zufällig unseren Weg kreuzt? Das unwohle Gefühl verfolgt uns die ganze Nacht. An einen gesunden Schlaf ist nicht zu denken. Wir wälzen uns von einer Seite auf die andere. Jedes Geräusch das durch das geöffnete Dachfenster dringt schreckt uns auf. Vier Uhr morgens. Noch immer versteckt sich die Sonne hinter dem Horizont und lässt uns verängstigt im Bett verweilen. Dann, ein lautes Rascheln aus dem Busch. Ich schiebe meinen Kopf durch das Dachfenster. Vergeblich, es ist zu dunkel Draußen. Ich springe aus dem Bett und schiele durch die Ritzen unserer Frontscheibenabdeckung. Wieder dringen die Geräusche bis ins Innere unseres Campers vor. Quälende Ungewissheit – Was sollen wir tun. Die Axt, griffbereit unter dem Sitz, wandert in meine Hand. Vielleicht sollte ich mich erst einmal anziehen. Wieder alarmieren uns Geräusche von Draußen. Hektik und nackte Angst erfassen uns. Die Uhr zeigt viertel nach Vier. Ein lautes Knacken direkt vor unserem Van lässt uns zu Tode erstarren. Wir stehen wie fest gemauert in der Erden als plötzlich das Glöckchen in meinem Kopf läutet. Ein nicht zu überhörendes „Muuuuuhhhhh“ hallt durch unser Mark und Knochen und befreit uns aus der Schockstarre. „Lass uns Kaffee machen“ ist der einhellige Tenor, als sich das Monster als Kuh entpuppt, „es wird eh gleich hell“.

Nach gut sechs Monaten erreichen wir wieder Perth, unsere alte australische Heimat. Neben all den normalen Erledigungen und Treffen mit Freunden steht diesmal ein sehr erfreuliches Ereignis ins Haus. Sabrina und AJ dürfen sich seit kurzem Mutter und Vater nennen, hat doch ihre Myra im letzten Monat das Licht der Welt erblickt. Auch wir sind darüber erfreut bekommen wir doch den Titel „Part-Time-Tante und Onkel“ verliehen.

Unser Sommerferienjob führte uns dieses Jahr nach Denmark. Ihr habt richtig gehört Denmark wie Dänemark, wunderschön gelegen an der Südküste von Western Australien und benannt nach einem englischen Schiffsarzt im 19. Jahrhundert. Da wir nur 7-8 Wochen überbrücken wollen entscheiden wir uns diesmal für eine Tätigkeit ohne zu viel Verpflichtungen – das Putzen bzw. „Houskeeping“ genannt. Das Beste an dieser Arbeit ist neben dem Fakt, dass man gedanklich kein Stress mit nach Hause nimmt, der Sport auf Arbeit, der überdies auch noch bezahlt wird. Des Weiteren sieht man sofort die Erfolge seiner Schaffenskraft und nach ein paar Tagen auch am eigenen Schattenwurf. Alles in allem eine Wohltat für Körper, Geist und Portemonaie. In unserer Freizeit erkundeten wir wie immer die nähere Umgebung. Auch diesmal kamen vorrangig unsere Fahrräder zum Einsatz, was gelegentlich in der doch recht hügligen Landschaft in „real Sport“ ausartete. Zum Glück erhielten wir auch dieses Jahr Besuch von Marissa, die ihre Freizeitbeschäftigung „Wandern“ gern mit uns teilte.

Nach knapp zwei Monaten fuhren wir wieder in Richtung Perth zurück, nicht aber ohne einen letzten Stopp bei unseren australischen Ersatzeltern Vicky und Chris in Bunbury. Wie auch schon zuvor blieben wir im Anschluss eine gute Woche in Perth bevor wir für einen weiteren Monat in Richtung Süden aufbrachen. Unser Ziel hieß Esperance an der Südostküste von Western Australien, von wo aus wir uns dann wieder der Küste entlang bis Perth zurück hangelten.

Zum dritten und letzten Mal kehrten wir nach Perth zurück, um uns final bei unseren Freunden zu verabschieden. In den nächsten Jahren möchten wir die anderen Staaten und Territorien Australiens bereisen, was einen Abstecher nach Perth nicht vorsieht.

Unser nächstes Stop-Over Ziel war das malerisch gelegene Exmouth, gut 1200 km nördlich von Perth. Eigentlich hatten wir damit geplant einen Job in der Nähe von Darwin zu ergattern, was leider aus verschiedenen Gründen ins Wasser fiel. Zum Einen bekamen wir keine Rückmeldungen auf unsere Bewerbungen. Zum anderen war die einzige Landverbindung von Western Australien nach Northern Territory durch die Fluten der Regensaison unterbrochen. Das zwang uns zum Warten bis eine provisorische Brücke die Überquerung des Fitzroy River möglich machte.

Anstellung fanden wir in der Zwischenzeit auf einem Caravan Park in Exmouth, der gleichzeitig ein Projekt am Laufen hatte. In der örtlichen Marina wurden gerade 12 Villen fertiggestellt und es wurde noch jemand gesucht der das finale Set-Up organisieren wollte. Also griffen wir zu. Als Bon-Bon obendrauf konnten wir am 20. April 2023 einer vollen Sonnenfinsternis beiwohnen, welche ihren Kernschatten genau über dem eigentlich kleinen Ort wandern ließ. Mit 25.000 Besuchern wurde ein wahres Spektakel gefeiert, welches in die Ahnalen von Exmouth eingehen sollte.

Und dann ging alles ganz schnell. Bei der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten stieß Angie auf eine Ausschreibung von El Questro, eine der bekanntesten Stations in Western Australien und ihr Wunscharbeitsplatz schlechthin. Innerhalb von zwei Tagen war alles in Sack und Tüten und wir hatten die Jobs bei El Questro-Emma Gorge. Dazu dann mehr im nächsten Bericht.

Ganz liebe Grüße

Angie und Thomas

  • Aussichtspunkt Marble Bar
  • Carawine Gorge
  • Carawine Gorge
  • Freier Stellplatz in der Nähe von Port Hedland
  • Der Wind nervt
  • Millstream Chichester NP
  • Yardie Creek Trail
  • Yardie Creek Trail - Flughunde
  • Leuchtturm Exmouth
  • Yardie Creek Trail
  • Kalbarri National Park
  • Kalbarri National Park
  • Kalbarri National Park
  • Kalbarri National Park
  • Kalbarri National Park
  • Waroona Weir
  • In der Pampa zw. Perth und Esperance
  • In der Pampa zw. Perth und Esperance
  • Cape Arid
  • Cape Arid
  • Cape Arid
  • Wanderung Porongurup
  • Wellington Dam
  • Leuchtturm Exmouth
  • Sonnenfinsternis
  • Exmouth Sonnenfinsternis
  • Freier Stellplatz in der Nähe von Port Hedland
  • Kalbarri
  • Kalbarri
  • Kalbarri
  • York
  • York
  • Caravan Park Denmark
  • Caravan Park Denmark
  • Caravan Park Denmark
  • Denmark
  • In der Pampa zw. Perth und Esperance
  • Esperance
  • Esperance - Erstes Angelglück
  • Esperance - Erstes Angelglück
  • Exmouth Villas
  • Exmouth Sonnenfinsternis
  • Exmouth Sonnenfinsternis
  • Bullara Station
  • WiFi Signal Suche in Bush
  • Esperance
  • Bremer Bay
  • 80 Mile Beach
  • Perth
  • Esperance Lucky Bay
  • Cape Arid
  • Esperance Erstes Angelglück
  • Pampa zw. Perth und Esperance

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