Costa Rica, Reisealltag

Ein ganz normaler Reise-(all)tag

Location: Santa Elena (Monteverde) / Costa Rica
Wetter: natürlich neblig im Nebelwelt (akt. Uhrzeit 21:45)
Zeitunterschied: -8 Std.
Höhe: 1.300 m über dem Meeresspiegel

Autor: Angie

Wir sind mit dem Tica-Bus eine halbe Ewigkeit unterwegs gewesen. Von Guatemala nach El Salvador, von El Salvador über Honduras und Nicaragua nach Costa Rica…Aber wir sind schlussendlich angekommen und haben die letzten Tage am Playa Hermosa verbracht. Wir haben in den Tag hineingelebt, unser Hostel „Iguanna Inn“ mit einem netten Garten, einem erfrischenden Pool und tausenden Moskitos genossen und „fünfe grade sein lassen“ 🙂 Heute war wiedermal so ein Reisetag; wir wollten von der Küste in den bekannten Nebelwald…und ich möchte unseren Reisebegleitern berichten, wie so ein Tag bei uns Weltreisenden aussieht:


05:30 Uhr…der Ventilator summt. Ich bin das erste Mal wach. Thomas ruht friedlich neben mir. Ganz nebenbei klaut er mir den Teil meiner Decke, den ich jetzt am meisten brauche. Noch ist es angenehm frisch im Wind des Ventilators. Ich lausche den Geräuschen des Dschungels und schlafe wieder ein.
07:15 Uhr…schon wieder wach. Draußen plappern die beiden Papageien, die vor unserem Zimmer wohnen unentwegt…“hola“, „rico“…“hola“. Ich muss schmunzeln. Was für ein schöner Wecker. Aber ich bin noch zu müde, um aufzustehen. Der gestrige Abendfilm im Geräusch des Dschungels war einfach zu spannend. Ich höre wieder die Wellen ans Ufer rauschen…Thomas schläft noch immer tief und fest. Ich kuschel mich an ihn und schlafe wieder ein.
08:30 Uhr…wir erwachen gleichzeitig. Was für ein schöner Tag, die Sonne lacht, aber es ist noch nicht zu heiß. Wir haben uns entschieden, nach drei Tagen Strand heute nach Monteverde zu fahren. Raus aus den Federn, in 2,5 Stunden fährt der Bus…hoffentlich.
09:45 Uhr…nach einem Mini-, aber doch leckerem Frühstück mit Scooter, Coco (die beiden Haushunde), zwei nervenden Papageien und einem Leguan auf unserer Mini-Terrasse noch schnell ins Internet und dann packen. Rapido, in einer Stunde müssen wir los. Also Rucksäcke packen und aufräumen. Puh, schon der Gedanke, die Rucksäcke bei schwülen 35 Grad und übler Luftfeuchtigkeit bis zur Bushaltestelle zu schleppen, treibt uns den Schweiß auf die Stirn. Aber da müssen wir durch…
10:40 Uhr…es wird Zeit. Wir schultern die Rucksäcke, verabschieden uns und schleppen uns mit samt Gepäck den Berg hinauf zur Haltestelle. Wieder ein Moment, in dem wir denken, wann schicken wir ein erstes Päckchen mit unserem Hab und Gut nach Deutschland. Wir haben bestimmt zuviel dabei 🙂
10:50 Uhr…wir erreichen mit deutscher Pünktlichkeit die Haltestelle und warten…
11:30 Uhr…und warten
12:00 Uhr…und warten!!! Aber wir schöpfen Hoffnung, denn mit uns wartet ein Tico, der ebenfalls den Bus nehmen will. Er ist relaxt…wir inzwischen auch.
12:21 Uhr…nach etlichen Keksen, erledigter Maniküre und einer handvoll Schweißausbrüchen kommt er doch noch: der Bus nach Liberia. Wir verstauen unser Gepäck im Ladefach und „flacken“ uns jeder an ein offenes Fenster…LUFT!!! Der Bus rollt…Ganz nebenbei hoffen wir – jeder für sich und mit den Augen am Fenster klebend, dass unsere Rucksäcke bei der nächsten haarigen Kurve nicht aus dem Gepäckfach kullern. Wir lassen uns treiben und hängen den Gedanken nach. Zwei Reihen vor mir mustert mich ein kleines Mädchen. Ich bin in Gedanken. Hier in den Bussen sind wir immernoch Exoten…Blond mit weißer Haut, obwohl viele Touristen nach Costa Rica reisen. Aber die meisten fahren im eigenen Mietwagen oder im Microbus „Tourismo“. Wenn ich schon daran denke…sie lernen nicht das wahre, pura Vida kennen. Nur eine Maschenerie aus kalkuliertem, durchorganisierten Reisen.
Das süße, kleine Mädchen mit pechschwarzen Zöpfen mustert mich weiter. Ich lächle…sie lächelt zurück. Weiße, blinkende Zähne und braune Kulleraugen strahlen mich an. Was für ein Tag. Ich bin glücklich.
13:30 Uhr…der Bus fährt in Liberia ein. Unser Umsteige-Terminal. Sobald wir aus dem Bus steigen, stürmen gefühlte tausend Menschen auf uns ein, um uns ein Taxi, eine Busfahrt nach Nicaragua oder einfach nur ein paar Früchte zu verkaufen. Wir verneinen freundlich „no gracias“. Wir suchen den nächsten Bus nach Monteverde. Ein freundlicher Terminalangestellter ist uns behilflich. Um rechtzeitig den Bus nach Monte um 15:30 Uhr in La Irma zu erwischen, müssen wir das Terminal wechseln. Also gut, Rucksäcke erneut schultern und Beine in die Hand. Wie gut, dass uns jetzt kein Taxifahrer seine Dienste anbietet….Das Pulman-Terminal ist jedoch nur ein paar Schritte entfernt. Wir schwitzen…wiedermal.
14:05 Uhr…wir können im San José-Bus bis nach La Irma mitfahren, aber nur Stehplatz versteht sich. Puh, Glück gehabt…jetzt aber Bleifuß, Senior Conductor 🙂 Eine zweite Glückssträhne streift uns an diesem Tag: Wir finden noch zwei Sitzplätze neben einem älteren Herrn und einem Kind. Der Junge will nichts von mir wissen, ist wohl etwas schüchtern. Während der Fahrt versucht uns ein Passagier aus Salvador Rezepte der Wundermedizin anzudrehen…für 1.000 Colones (1, 75 €). Ich habe widerstanden, obwohl die Versuchung groß war, zumal der gute Herr auch ein Mittelchen zur Raucherentwöhnung versprochen hatte. Naja…beim nächsten Mal. PS: Nein, ich rauche nicht, aber Thomas.
15:30 Uhr…wir erreichen La Irma und sind die Einzigen, die aussteigen wollen. Wir quälen uns durch den Bus. Alles nochmal gutgegangen….Das Gepäck ist auch noch da 🙂 Wir laufen – wieder mit schwerem Gepäck – quer über die Interamericana zur nächsten Busstation…der Bus nach Monteverde kommt sofort und fast pünktlich. Es ist „sauheiß“ im Bus. Wir schwitzen. Ich ergattere einen Platz am offenen Fenster. Luft!!! Es sind ja nur noch 30 km. PS: Dass wir für 30 km insgesamt 2,5 Stunden benötigen würden, wußten wir bis dahin noch nicht 😦
Der Bus schlängelt sich keuchend und knatternd den Berg hinauf, 1.300 Höhenmeter. Ein freundlicher Herr neben Thomas verwickelt uns in ein angenehmes Gespräch. Nachdem ich wie immer mehr plappere als Thomas setzt er sich neben mich. Wir quatschen die ganze Fahrt über Gott und die Welt. Wahnsinn, mein Spanisch funktioniert hervorragend. Wir zwei sind immernoch die einzigen Touristen im vollbesetzten Bus…alle wollen unserem Gespräch mit dem netten Herrn (Name vergessen) beiwohnen. Ich rede und rede…und habe den Vulkan auf der linken Seite glatt übersehen.
18:00 Uhr… Ankunft in Santa Elena / Monteverde. Schon beim Ausstieg heften sich die Schlepper an unsere Fersen. Sie versprechen uns „Super“ Hostelzimmer für 10 US-Dollar pro Person. Ich will aber eine Terasse, private Bathroom und WiFi. Bekommen wir… Geschafft. Wir schleppen unsere Rucksäcke noch einmal den Berg hinauf und erreichen keuchend „Tinas Casitas“. Wir beziehen ein nettes Zimmer mit Bad…uuuuund es herschen angenehme Temperaturen. Jippiii.
19:30 Uhr…nach einer ausgiebigen Informationsrunde zu allen möglichen Activities im Ort und der Umgebung haben wir uns endlich ein Casado (typisches Essen mit Reis, Bohnen, Fleisch und Kartoffeln zuzüglich einem Getränk und Dessert) in einer Soda (typischer Tico-Imbiss) verdient. Danach schlendern wir gemütlich in den örtlichen Supermarkt und zum Bankautomaten.
21:45 Uhr…Bei einem kühlen Bier sitzen wir nun im Garten und verfassen einen neuen Bericht für unsere Leser…
22:45 Uhr…fertig. Was für ein Tag. Wir sind glücklich…Morgen schlafen wir erstmal aus und genießen den Tag. Wir werden hier ein wenig Wandern und uns den Nebelwald mit all seinen Bewohnern ansehen, bevor wir in 3, 4 Tagen wieder aufbrechen und zum Vulkan Arenal reisen…ein ganz normaler Reisetag eben!

Ein Gedanke zu „Ein ganz normaler Reise-(all)tag“

  1. „Oettinger o.E.“ in Costa Rica, wer hätte das gedacht. Dann laßt es euch mal gut gehen.
    Gruß Ted´n

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