Vietnam

Im Land der zwei Gesichter (Teil 2)

Location: Ko Samui / Thailand
Wetter: heiß und schwül
Zeitunterschied: + 5 Std.

Die gut zwei Stunden Zugfahrt über den „Wolkenpass“ stellten sich als wirklich sehenswertes Schauspiel heraus. Während vor dem Pass, wie fast immer in Nordvietnam, der Himmel einen grauen Schleier trug, riss plötzlich die Wolkendecke auf und die Sonne brach durch. Schön, geht doch.

Von der Eisenbahntrasse aus hatten wir einen spektakulären Blick auf die steile zerklüftete Küste bis zum Meer hinunter. Unser Ziel war Da Nang und dort ein Resort direkt am Meer. Unsere zwei Mitreisenden, Evi und Hansi, wollten nach dem ganzen Reisestress mal so richtig ausspannen. Wir sagten natürlich nicht nein und gesellten uns hinzu. Es war eine wirklich schöne Anlage und man merkte sofort, dass sich das Personal so richtig für seine Gäste ins Zeug legte. Für die nächsten drei Tage ließen wir mal so richtig die Beine baumeln und taten außer relaxen nicht viel. Nach drei Tagen brachen wir wieder auf und fuhren mit dem Zug weiter gen Süden bis zum bekannten Badeort Nha Trang. Wie schon zuvor hatten wir wieder vier Betten in einem „Hardsleeper“ gebucht. Das war ein Schlafwagen der zweiten Klasse mit separaten Kabinen zu je sechs Betten. Die Betten ganz unten waren am komfortabelsten. Nach Oben hin wurde es deutlich unbequemer. Gern hätten wir auch mal den „Softsleeper“ (vier Betten in einer Kabine) der vietnamesischen Eisenbahn getestet, bekamen aber am Schalter nie Tickets, da diese immer schon ausverkauft waren. Der Grund dafür ist in der „Geschäftstüchtigkeit“ der Vietnamesen zu suchen. Ein ganzer Berufszweig verdient damit sein Geld, Tickets für gefragte Plätze zu kaufen und diese dann auf dem Schwarzmarkt an den Mann zu bringen. Schwarzmarkt heißt in diesem Fall aber „Reisebüro“. Als nicht informierter Tourist kauft man seine Tickets dann dort und legt bis zu 10 US-Dollar als Provision oben drauf.
Nha Trang präsentierte sich genauso wie Da Nang zuvor wesentlich freundlicher und aufgeräumter als die Städte im Norden. Auch die Menschen waren in ihrer Art  ansprechender und netter. Zumindest empfanden wir das alle Vier so. Von unserem nächsten Ziel, Nha Trang, war uns schon bekannt, dass es innerstädtisch keine Hotels am Strand gab. Wir buchten uns daher in der Nähe eines Beach Clubs ein, um bei der glühenden Sonne auch ein bisschen Schatten und Komfort beim Relaxen zu haben. Dieser lag auf der gegenüberliegenden Straßenseite und wir hatten nur das Problem sicher über die vierspurige Straße zu kommen. Der Beach Club „Louisiana“ stellte sich als Volltreffer heraus. Eine wirklich super durchdachte, gepflegte und wunderschöne Anlage die wir reichlich nutzten. Nicht zuletzt hatte es uns das selbstgebraute Bier in verschiedenen Geschmacksrichtungen angetan. Genau der richtige Platz, um sich mal zu vernünftigen Preisen berieseln zu lassen. Der Strand rechts und links neben der Anlage war dann wieder Geschmackssache, ob man alle fünf Minuten Krabben oder Sonnenbrillen kaufen will und zwischen jeder Menge Müll liegen möchte. Auch die Tage in Nha Trang verbrachten wir vorwiegend in der Waagerechten am Strand, da die Temperaturen einfach zu hoch waren. Einzig Abend, auf der Suche nach einem Lokal, liefen wir mal in die Stadt.
An unserer nächsten Station sollte sich das ändern. Zuvor mussten wir jedoch, in Männlein und Weiblein getrennt, nach Saigon, oder wie es neu vietnamesisch heißt Ho-Chi-Minh Stadt, fahren. Wir hatten nur noch jeweils zwei Schlafplätze in zwei verschiedenen Zügen bekommen. Aber alles kein Problem. Bis auf den zeitweisen Ausfall der Klimaanlage im Männerzug gab es keine Schwierigkeiten. In Saigon machten wir uns dann mit einem Taxifahrer auf Hotelsuche. Hier im Süden ist dies wesentlich unproblematischer, da die Fahrer auch ohne Aufforderung die Taximeter anschalten. Nach einigem Hin und Her fanden wir wiedermal eine sehr ansprechende Bleibe. Was uns in Vietnam auffiel sind die fehlenden Hostels in der Preisklasse zwischen Bruchbude und nobler Herberge. Meist muss man auf „relativ“ teure aber gute Mittelklassehotels ausweichen, da günstige und halbwegs gescheite Herbergen nicht vorhanden sind. Nach der Ankunft im Hotel starteten wir zeitnah zu einer unserer berüchtigten Touren durch die Stadt. Es ist schon manchmal recht beschwerlich bei der für Asien typischen Hitze und Schwüle stundenlang durch die Stadt zu laufen, aber auf keine andere Art und Weise kommt man aber Land und Leuten näher. Am heutigen Tag führte uns der Weg an innerstädtischen Parkanlagen vorbei in Richtung Zentrum. Mit einigen Stopps in Geschäften sowie dem obligatorischen Halt bei Fanny` s Eis erreichten wir dann das „War Remnants Museum“. In diesem Museum informierten wir uns in sehr anschaulicher Weise über die Verbrechen des Vietnamkriegs und die noch bis heute bestehenden Auswirkungen der eingesetzten Kampfstoffe wie „Agent Orange“. Eine sehr eindrucksvolle aber auch bedrückende Ausstellung wie wir gemeinsam feststellten.
Später buchten wir für den nächsten Tag eine Tour in das Mekongdelta, bevor wir den Abend bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen ließen. Am nächsten Tag begaben wir uns ohne große Erwartungen auf diese Tour. Nach drei Stunden Busfahrt erreichten wir das Delta und wechselten dort auf ein Boot. Dieses fuhr uns zunächst zum Floating Market und  den typischen Booten der Händler auf dem Fluss, bevor wir unsere erste Station, einen kleinen Handwerksbetrieb zur Herstellung von Reiswaffeln, Kokosbonbons, Reisschnaps und Honigtee erreichten. Ein typischer Betrieb für Touristen, über die Schultern schauen, staunen, probieren und kaufen. Über einen der großen Hauptarme des Deltas führte der weitere Weg zu unserer nächsten Station: Mittagessen fassen. Da gerade Ebbe war wurden wir mit Ruderbooten bis zum Anleger gefahren und entkamen nur knapp einem Wolkenbruch. Komischerweise gab es dort gleich Regencapes zu kaufen. Für den weiteren Weg deckten wir uns damit sicherheitshalber ein. Das Mittagessen schmeckte und hätte es nicht noch leicht genieselt wären wir auch noch eine Runde mit dem Fahrrad durchs Dorf gefahren. So ging es im Anschluss mit dem Schiff wieder zum Hafen zurück, wo unserer Shuttlebus wartete. Für einen Tag konnten wir nicht viel erwarten, bekamen aber zumindest mal einen kleinen Einblick in das Leben am Mekongdelta.
An unserem letzten Tag in Saigon hatten wir noch ein paar kleinere Dinge zu erledigen, wie zum Beispiel Postkarten aufgeben und diverse Einkäufe erledigen. Ansonsten nutzten wir noch einmal intensiv die Zeit, um in der Stadt ein bisschen „herum zu schwänzeln“ bevor wir am nächsten Tag weiter reisten.

Unser Fazit zu Vietnam fällt etwas zwiespältig aus. Wie ihr bereits dem ersten Bericht entnehmen konntet, waren wir vom Norden des Landes nicht so begeistert, da uns die ständigen Versuche bezüglich „Abzocke“ gehörig auf die Laune schlugen. Auch Land und Leute boten nicht so viel, dass man sagen könnte: „Super, toll, da können wir nochmal hinfahren“. Der Süden gefiel uns hingegen wesentlich besser, ohne im Vergleich zu anderen Ländern herauszustechen. Die Menschen sind zugänglicher und freundlicher und vermitteln einem das Bild, als Gast bei ihnen willkommen zu sein. Auch die im Norden ständigen Betrügereien halten sich im Süden in erträglichen Grenzen. Natürlich basiert diese Beurteilung auf unseren subjektiven Eindrücken der letzten drei Wochen in Vietnam und ist weder vollständig noch abschließend. Wir haben für uns trotzdem festgelegt, dass wir eine weitere Reise nach Vietnam erst einmal nicht in Erwägung ziehen.

Das nächste Ziel auf der Reiseroute hieß Singapur. Welche unangenehme Überraschung wir bei unserer Ankunft auf dem Changi – Airport erlebten, erzählen wir euch im nächsten Bericht.

Bis dahin wünschen wir euch eine schöne Zeit.

Liebe Grüße senden euch…
Evi, Hansi, Angie und Thomas

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