Laos

Und SIE bewegen sich doch

Location:Vientiane
Wetter: sehr heiß
Zeitunterschied: + 5 Stunden

„Liebe Schuster bzw. Schuhmacher dieser Welt! Für Ihren vom Aussterben bedrohten Berufsstand konnten wir einen neuen Markt mit ca. 7 Millionen potentiellen Kunden entdecken und ohne große Investitionen für Sie gewinnen. Vorbei die Flaute… auf nach Laos. Dort haben Sie die Möglichkeit einem ganzen Volk beim Laufen die Schuhe zu besohlen.“ Spaß beiseite… aber in Laos gehen die Uhren und somit auch das gesamte öffentliche Leben schon ein klein wenig langsamer als im Rest Asiens. Ist man als Reisender aus den Nachbarländern Vietnam und Thailand das wuselige geschäftige Treiben auf den Straßen gewohnt, so fühlt man sich in Laos wie in Dornröschens Königreich versetzt. Kein Dauerhupen gestresster Autofahrer, keine aufdringlichen schreienden Händler, keine mit Menschen überfüllten Straßen… nein, in Laos läuft alles gemütlich ab. Beginnen wir aber mal von vorn.

Auf den letzten Metern in Kambodscha begegneten wir doch noch dem ersten und einzigen unfreundlichen Kambodschaner. Im Bus zur Grenze erklärte er uns mit eindringlichen Worten, dass seine Hilfe bei der Bewältigung der Grenzformalitäten unabdingbar wäre. Nachdem wir ihn über unsere Sicht der Dinge aufgeklärt hatten, wurde er böse; wollte er doch Geld mit uns verdienen. Er drohte uns damit, dass der Bus nicht warten würde, wenn wir Probleme an der Grenze hätten… und so weiter und so fort. Das Ende vom Lied klang dann wie immer. Wir hatten keine Probleme und waren mit den Visa noch früher fertig als der nette Herr. Nebenbei sparten wir noch 12 US$. Gleich hinter der Grenze konnten wir erst mal einen Gang runter schalten. Unserem neuen Busfahrer und dessen Begleiter fiel es in der Mittagszeit schwer die Augen offen zu halten. Zum Glück mussten sie uns nur ein kleines Stück bis zum Bootsanleger in „Nakasang“ fahren. Unser erstes Ziel in Laos waren die „4000 Inseln – Si Phan Don“ im Mekong. Auf einer Länge von ca. 50 Km splittet sich der Mekong in eine Vielzahl von Kanälen auf und bildet so ein riesiges Feuchtgebiet. Neben der größten Insel „Don Khong“, im Norden des Archipels, laden auch noch „Don Det“ und „Don Khon“ weiter südlich zu einem Besuch ein. Mit dem Zusatz „Happy“ wird in einigen Speisekarten der Insel „Don Det“ Essen beworben, das neben Sättigung auch Glück verspricht. Bei der Wahl einer Unterkunft hilft „Happy“ ebenfalls über das Schlimmste hinweg, zumindest wenn man nicht in einem der zwei Gästehäuser der Insel Unterschlupf findet, in denen man mit ungetrübten Sinnen wohnen kann. Da wir „Happy“ mit unserer Reise sind und „vegetieren“ auch nicht unsere Sache ist, leisteten wir uns für neun Euro einen der schönen Bungalows.Es ist unstrittig, dass menschliches Handeln das Umfeld in dem wir leben verändert. In der Vergangenheit nutzte der Mensch dabei oft die Strategie „Versuch und Irrtum“, um ans Ziel seiner Träume zu gelangen. Wird nun der „Versuch“ durch einen Menschen mit zwei linken Händen im Bereich Ästhetik durchgeführt und ist für die Behebung dieses „Irrtums“ ein „Lethargiker“ zuständig, entstehen urbane Landstriche wie auf der Insel „Don Det“. So schließt sich dann wieder der Kreis zum Essenzusatz „Happy“ und macht die Angelegenheit aus den Blickwinkeln der Betrachter äußerst „subjektiv“. Den einen stören hässliche Bruchbuden und Müll, ein Anderer vermag dies nicht zu erkennen. Die landschaftlichen Reize der Inseln stehen aber außer Frage. Der alles umschließende Mekong prägt dabei natürlich das Bild und ist gleichzeitig die Lebensader der gesamten Region.
Während unseres Besuches auf der Insel herrschte Regenzeit, sodass sich uns das Eiland in einem kräftigen Grün präsentierte. Regenzeit bedeutet aber auch, mehr Wasser für den Mekong, was seine Farbe aufgrund der mitgeführten Sedimente in einem fahlen Braun erscheinen lässt.
Unsere Tour über die Insel legten wir an einem sonnigen Tag zu Fuß zurück. Wir folgten zunächst dem Weg vor unserer Bungalowanlage in Richtung Süden und bogen etwas später zur alten französischen Eisenbahnbrücke ab. Entlang von Reisfeldern, auf den der eine oder andere Büffel den Flug seines Herren durch den knietiefen matschigen Boden ziehen musste, bahnten wir uns den Weg bis zum Übergang zur Insel „Don Khon“. Mit dem Betreten des Eilandes mussten wir, wie alle, einen Obolus für die Gemeinde entrichten und konnten dann weiterziehen. Entlang des Mekong, über das Gelände eines Klosters, führte uns der weitere Weg zu unserem Ziel – den „Somphamit Wasserfällen“. Der imposante Mekong wird hier in mehrere schmale Felsformationen gelenkt und fällt tosend über mehrere Stufen in ein etwa zehn Meter tiefer gelegenes Becken von wo aus er wieder in Ruhe in Richtung Meer weiterfließen kann. Auf dem Rückweg schlugen wir dann einen anderen Weg ein und liefen, nachdem wir die Brücke wieder überquert hatten, am Ostufer der Insel bis zu unserer Unterkunft zurück, wo ein schöner Tag zu Ende ging. Die weiteren zwei Tage auf der Insel waren dann wieder dem Relaxen vorbehalten, wobei angemerkt sei, dass es an einem der Tage von früh bis Abend regnete. Lustig gestaltete sich dann noch unsere Abreise. Der vielleicht 11-jährige Junge der uns mit einem ca. 10 Meter langen Boot ans Festland bringen sollte, hatte noch erhebliche Probleme bei der Steuerung seines Bootes. Nachdem er zweimal „Rechts“ und „Links“ verwechselt hatte und wir mit Vollgas in die Uferböschung gekracht waren, durften wir das Boot wechseln und wurden von einer versierten Kapitänin sicher an Land gebracht.

Auf dem Weg in Richtung Norden sollte die Stadt Pakse unsere nächste Station sein. Mit unserer Ankunft stellten wir zum Glück schnell fest, dass dieser Ort weniger trostlos war als befürchtet, sodass wir dort zumindest einen Tag verweilen konnten. Die Weiterfahrt terminierten wir auf den folgenden Abend. Somit hatten wir den gesamten nächsten Tag  Zeit, um etwas unternehmen zu können. Nahe der Stadt Pakse erstrecken sich die Ausläufer des Bolavenplateaus, bekannt durch seine schöne Natur sowie den Kaffee. Mit einem gemieteten Moped fuhren wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück los. 50 km lagen vor uns, auf dem Hinweg ging es bergauf. Irgendwie verspüren wir auf den asiatischen  Moped`s immer Ruck Zuck Schmerzen im Gesäß, sodass wir öfters mal ein Stopp einlegen müssen, so auch an einer schönen Raststätte an der Strecke. Als erste und wahrscheinlich einzige Gäste am heutigen Tag sorgten wir bei den 6 Kellnerinnen, 2 Oberkellnern und 3 Köchen für helle Aufregung. Irgendwie hatte hier niemand mit uns gerechnet, zumindest drängte sich der Eindruck auf. Mit der gewohnten laotischen Ruhe löste man dann das „Problem“. Wir bekamen alles was wir wollten und danach trat wieder Stille ein. Unser Ausflug führte uns in der Folge zu den Zwillingswasserfällen „Tad Fan“, welche von dem Gelände eines Resorts aus gut besichtigt werden können. Die aus den Tiefen des Feuchtwaldes tretenden Wassermassen stürzen tosend in ein gemeinsames 150 Meter tiefer liegendes Becken und lassen dann Wolken aus Wasserdampf aufsteigen. Wie ein Schleier aus Rauch ziehen diese dann die schmale Schlucht hinauf und hüllen die Fälle mystisch ein. Ein wunderschönes Naturschauspiel. Wir stiegen wieder auf unser Moped und legten die letzten Kilometer bis auf das Plateau zurück. Mit der Ankunft im Örtchen Pakxong erreichten wir das Ziel unserer Tour. Dort suchten wir das kleine Café eines Holländers auf, welches in allen Reiseführern angepriesen wird. Wie wir feststellten, ist es eigentlich nur eine nicht sonderlich schöne Holzhütte mit einer ebenerdigen Terrasse davor auf der man Platz nehmen kann, um dann vom Hausherren „Cornelius“ ein Tässchen Kaffee zu bekommen und gratis dazu erfährt, warum sich die Erde dreht. Auf dem Rückweg konnten wir dann eine kostenlose Dusche nehmen. In völliger Selbstüberschätzung hatten wir nur ein Regencape eingepackt und bekamen nun die Quittung. Von wegen Regenzeit ohne Regen… hahaha. Mit drei Zwischenstopps auf dem Rückweg, die nach dem Motto: „Schütte doch mal das Wasser aus den Schuhen aus“ liefen, erreichten wir dann zwar nass aber dennoch wohlbehalten Pakse. Am Abend machten wir es uns dann in den Betten des Nachtbusses bequem und genossen die 10 Stunden bis Vientiane.
Vientiane ist im Vergleich zu anderen Hauptstädten dieser Welt ein Ort mit Dorfcharakter, nur noch ein bisschen ruhiger. Dies soll aber keine Beleidigung sein sondern nur beschreiben, dass es hier ganz entspannt und ohne großes „Tohuwabohu“ zugeht. Gemütlichkeit und Genuss prägen das Stadtbild und laden so zum Essen und Relaxen ein. Bis auf die Beantragung unserer China Visa hatten wir keine Verpflichtungen und so lebten wir wiedermal genüsslich in den Tag hinein…

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal

Angie & Thomas

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