Airport Istanbul - Sie brachte uns in den Sommer
Südafrika

Die ersten Schritte in Afrika

Location: Cape Town
Wetter: sommerlich warm
Zeitunterschied: + 1 Std.

Deutschland verabschiedete sich von uns mit kühlen aber noch ertragbaren Temperaturen. In Istanbul, unserem ersten Zwischenstopp, erwischte es uns dann dafür richtig kalt. Ein nächtlicher Schneesturm tobte gnadenlos über der Stadt und ließ auch die Temperaturen im Terminalgebäude in einen unangenehmen Bereich sinken. Die kalte „Hechtsuppe“, die permanent ihre Runden durch die Hallen zog, roch zwar nicht, machte es aber trotzdem unmöglich einen halbwegs angenehmen Schlaf zu finden. Aber auch im Halbschlaf verflogen die 10 Stunden Wartezeit wie im Fluge.
Mit der Ankunft im saudi-arabischen Jeddah war der Winter für uns ausgestanden und angenehme 24 Grad umhüllten unsere Körper. Der letzte Flug bis zu unserem ersten Ziel Johannesburg fiel dann in die Kategorie „äußerst angenehm “. Nicht nur dass es kaum Turbulenzen gab, nein, in der Boeing 777 waren gerade mal 50 Passagiere, was für uns freie Schlafplatzwahl bedeutete.

Die mittägliche Sonne über Johannesburg brannte bei unserer Ankunft erbarmungslos auf unserer Haut und bescherte uns so nach den kühlen Temperaturen in Europa gleich den richtigen klimatischen Einstieg in Afrika. Auch unseren simbabwischen Fahrer hielt die Hitze fest im Griff. Trotz reichlich Fahrtwind machten ihm die Temperaturen zu schaffen. Auf heiße Temperaturen eingestellt, schienen wir da ein wenig besser vorbereitet, hatten wir doch nichts anderes als Sommer in Afrika erwartet.
Als erstes afrikanisches Dach über dem Kopf hatten wir die „Moafrika Lodge“ etwas außerhalb von Johannesburg gewählt. Außerhalb ist – wie wir recht schnell feststellen durften – in „Joburg“ für Menschen mit einem normalen Sicherheitsbedürfnis bezüglich Kriminalität, die bessere und auch ansehnlichere Wahl. Zwar könnte man beim Anblick der Anwesen schnell auf den Gedanken kommen, dass Mord und Totschlag täglicher Bestandteil des Lebens sind, bei näherer Betrachtung handelt es sich dabei aber meist nur um präventive Maßnahmen, um sich vor ungebetenen Gästen zu schützen. Unser eigentliches Vorhaben nur einen Tag in und um Johannesburg zu verweilen, löste sich schon am ersten Abend in Wohlgefallen auf. Da es wirklich wunderschön auf unserer Lodge war, beschlossen wir noch zwei Tage länger zu bleiben und füllten einen von diesen inhaltlich mit einer Tour durch Johannesburg.
Johannesburg ist nicht „Die Schöne“ sondern eher „Das Biest“, allerdings ein vor sich hin siechendes. Um den Charme der Stadt zu charakterisieren, könnte man in der „Bronx“ beginnen und dort auch wieder enden. Beim Anblick der vier Millionen Metropole drängte sich bei uns der Eindruck auf als liege ein riesiger Schleier der Lethargie über ihr und lähme jegliche Dynamik. Man hätte denken können, dass heute der letzte Tag ihres Bestehens angebrochen sei und jeder sich damit abgefunden habe. Auch wenn der erste Eindruck von der Stadt ein trübseliges Bild zeichnet, ist Johannesburg der wichtigste Wirtschaftsmotor des Landes. Neben zahlreichen Industrieansiedlungen im Umfeld, begründet sich dies vor allem in den unzähligen Minen in Reichweite der Stadt.
Wir tauchen ein. Pastor, unser Guide am heutigen Tag, macht uns mit seiner Heimatstadt vertraut. Es gab zwar wirklich nicht viel Sehenswertes anzuschauen, dennoch verstand es Pastor selbst zu banalen Dingen ein interessantes Geschichtchen zu erzählen. Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes war dann der Besuch des höchsten Gebäudes Afrikas, dem Carlton Center mit seinen 220 Metern. Das halbleer stehende Gebäude reiht sich in die Trostlosigkeit der Innenstadt ein, bietet aber zumindest einen hervorragenden Rundumblick. Aufgrund der ansteigenden Kriminalitätsrate am Ende der Apartheid zogen sich viele Firmen und Geschäfte aus der Innenstadt zurück und verlagerten ihre Tätigkeiten in die nördlichen Vororte. So blutete das Zentrum aus und wurde zusehends unattraktiver, was sich bis heute augenscheinlich nicht geändert hat.

Auch wenn der Wahrheitsgehalt der Pressemeldungen zu DDR-Zeiten zum Teil recht fragwürdig war, hatten sich doch bei uns einige Bilder aus den Zeiten der Apartheid in unsere Gedächtnisse eingebrannt. Neben dem oft thematisierten Schicksal von Nelson Mandela gehörten dazu auch die immer wiederkehrenden Straßenschlachten in den Townships Südafrikas während der 1980-ziger Jahre. Eine äußerst interessante Retrospektive zu diesem Themenkomplex konnten wir im Apartheid Museum in Johannesburg besichtigen. Neben einer historischen Aufarbeitung der Materie zeigt die Ausstellung auch eine Auswahl der alltäglichen Diskriminierungen während dieser Zeit. So wurde auch für uns greifbar, unter welchen menschenverachtenden Bedingungen die farbigen Menschen zu Zeiten der Apartheid lebten. Eine wirklich sehr empfehlenswerte Ausstellung.
Ein Name, der auf das Engste mit diesem Thema verbunden ist, sollte unsere nächste Station sein – Soweto. Das im Südwesten der Stadt befindliche Township ist eines der Bekanntesten des Landes. Heute mutet Soweto in weiten Teilen wie eine normale Stadt an. Von unserem Guide erfuhren wir dann auch, dass es selbst hier unterschiedliche Wohngebiete gibt. Neben den bekannten Hüttensiedlungen der Ärmsten gibt es die Häuser und Wohnblöcke des Mittelstandes sowie ein Viertel mit recht üppigen Anwesen. Am auffälligsten war aber für uns der Umstand, dass man hier wesentlich näher am Leben der Menschen teilhaben kann. Immer wieder findet man Ecken mit kleinen Restaurants und Geschäften in denen sich ein einfaches aber farbenfrohes Leben abspielt. Die Lebendigkeit, die wir in Johannesburg vermisst haben, konnten wir hier finden.

Kapstadt wirft seine Schatten voraus, und wir folgten dem Ruf der Metropole aus dem Südwesten des Landes. Wie immer auf unserer Reise hatten wir uns ein Ticket für einen der öffentlichen Busse gekauft, der uns in gut 19 Stunden in die Metropole am Kap der guten Hoffnung bringen sollte. Es wurde eine recht „zügige“ Fahrt, was vor allem daran lag, dass die Klimaanlage ausgefallen war und wir Platz unter dem Dachfenster gefunden hatten. Nichtdestotrotz erreichten wir am nächsten Vormittag wohlbehalten die Stadt am Kap.

Unsere erste Unterkunft zu Fuße des Tafelberges fanden wir auch recht schnell. Das „Ashanti“, ein wirklich nettes und gut gelegenes Hostel, sollte uns für die nächsten zwei Wochen beherbergen.
Nachdem wir uns halbwegs sortiert hatten, konnten wir die nächsten Aufgaben in Angriff nehmen – Wohnung, Auto und Jobs. Was sich für einen Zentraleuropäer recht übersichtlich anhört, führte uns hier fast in die Verzweiflung. Uns stellten sich dann Fragen wie: Wo sollen wir nach einer Wohnung suchen, wenn wir noch nicht wissen, wo wir arbeiten werden. Da wir nur ein Auto kaufen wollten und der Nahverkehr in Kapstadt gelinde gesagt dünn besohlt ist, beschränkte sich unsere Suche zunächst auf die Innenstadt. Da zum Zeitpunkt unserer Suche aber noch Hochsaison war, fanden wir zunächst auch nur ein recht beschränktes Angebot an geeignetem Wohnraum vor. Wie so oft mussten wir feststellen: Entweder zu teuer oder nicht bewohnbar. Auch die Suche nach einem kleinen Auto gestaltete sich recht schwierig. Zum einen sind die Preise für Gebrauchtwagen horrend, zum anderen pflegen die Südafrikaner ihr Auto`s nicht in dem Stil wie wir das kennen. Summa summarum – es gibt nur vergleichsweise teure Kisten die nichts taugen. Das erinnert mich immer ein wenig an den „Dacia“ zu Ostzeiten. Dreizigtausend Mark und in etwa genauso viele Fehler.
Letztendlich hat sich unsere Beharrlichkeit dann doch ausgezahlt. Wir haben eine schöne Wohnung gefunden, ab Donnerstag geht Angie arbeiten und nächste Woche steht auch schon unser eigenes Auto in Aussicht.

Wenn es auch viel zu tun gab in den letzten drei Wochen, der Spaß ist dabei aber nicht zu kurz gekommen. Neben zahlreichen Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung genossen wir oft einfach nur das Leben in Kapstadt von irgendeiner gemütlichen Bar aus. Was gibt es Schöneres… Sonne, Meer und ein guter Wein!

In diesem Sinne, genießt den Frühling in Deutschland, auf bald!

Eure beiden Weltenbummler und Neu-Kapstädter
Angie und Thomas

Ein Gedanke zu „Die ersten Schritte in Afrika“

  1. Hello Thomas and Angie,
    Here is Alamim that you meet in Moafrika.
    I’ve translated and read some of your trips and really enjoyed your writing.
    Very good advices of countries. Hope you two are well in Cape Town.
    I’ll keep reading your articles here, they are all very good.
    See you,
    Alamim Justino.

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