Namibia

Unter Wölfen

Location: Windhoek
Wetter: tagsüber warm, nachts recht frisch
Zeitunterschied: – 1 Std.

„Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ – ist die allseits bekannte Floskel, die das Glück beschreibt, das der Zufall Dem beschert, der beide Dinge zu vereinen vermag. Dem Pechvogel ergeht es im Prinzip nicht anders, pachtet er doch Zeit und Ort ebenso akkurat wie der Glückspilz, nur mit einem etwas nachteiligen Ergebnis.

Das Leergut in der Stadt Oshivelo musste heute etwas länger auf seine Abholung warten, hatte doch der Fahrer unterwegs einen größeren, unplanmäßigen Stopp einlegen müssen. Das zumindest muss der geneigte Beobachter an der B1 geschlussfolgert haben, nachdem der „Coca Cola Laster“ sämtliche Kästen und Aufbauten hinter sich ließ. Mit „Glück im Unglück“ können wir in etwa den Part beschreiben, den wir in der Situation eingenommen haben, flogen uns doch die Kisten im wahrsten Sinne um die Ohren. Diese allein wären locker verschmerzbar gewesen, nicht aber das anderthalb Meter lange Winkelblech, das im Luftstrom des Fahrtwindes Flügel bekam. Dem gleichzeitigen Ausweichen und Abducken im Auto folgten gefühlte Minuten der Angst bis zum Einschlag. Da dieser zum Glück ausblieb, polterte es dafür im Anschluss in unseren Hosen, als dort unsere Herzen aufschlugen. Es folgte ein langes Durchatmen sowie die stets wichtige verbale Aufbereitung und am Ende hoben wir wie immer die zwei Finger und gaben das Versprechen ab.
„… erzähl das bloß nicht meinen Eltern“ – „…nee nee, auf keinen Fall, ich schreib‘ s mit auf die Liste“.

Namibia – das Land der schier endlosen Weiten mit seinen eindrucksvollen landschaftlichen Formen und Farben. Beim Anblick der Selbigen wächst die Lust auf Abenteuer- und Entdeckerlust. Wer die Einsamkeit fernab ausgetretener Pfade sucht, wird genauso pfündig wie der Abenteurer mit der „Pelle aus Wolfshaut“ alias „Jack Wolfskin“ in seinem Tourmobil. Eines bleibt aber festzuhalten, ohne motorisierten Untersatz ist es schwierig in Namibia vorwärts zu kommen, da ein öffentliches Transportsystem praktisch nicht vorhanden ist. Wir mussten daher auch einen PKW mieten, um alle Reiseziele erreichen zu können. Unsere Route führte uns von Windhoek aus in Richtung Westen mit dem ersten Ziel – „Der Namib“ und den bekannten Dünenlandschaften von Sossusvlei. Über Swakopmund reisten wir weiter in Richtung Norden. Wir besuchten den „Etosha National Park“, bevor wir bis zur angolanischen Grenze aufbrachen. Auf dem Weg nach Windhoek zurück stoppten wir noch in „Opuwo“ – im Land der „Himbas“.

Ein leichter warmer Wind säuselte durch die geöffnete Tür unseres Autos. Wir liegen tief in den Sitzen unseres Wagens, genießen die Ruhe und den herrlichen Ausblick. Der tiefblaue Himmel bildet den kontrastreichen Hintergrund zum kräftigen Rot von „Düne 45“ und wirkt auf uns wie gemalt. Die friedliche Stille wird durch das langsam anschwellende Geräusch eines LKW Motors unterbrochen. Der Daimler mit Kabinenaufbau stoppt direkt neben uns. Wie bei einem Flugzeug wird eine Treppe angestellt und dann purzelten sie heraus, die Reginas, Herberts und Uschis auf großer Reise im „Jack Wolfskin Einheitslook“. Schon beim Ausstieg mahnt der Guide zur Eile, stehen doch heute noch einige andere Attraktionen auf dem Programm. Nun heißt es sich zu organisieren, möchte doch Jeder der Entdecker ein Bild der Düne ohne und mit sich selbst schießen. Die Hälfte der Gruppe tritt am Fuße der Düne an. Die Kameras werden gezückt und jeder versucht den roten Sandberg auf himmelblauem Hintergrund zu verewigen. „Ach man, muss du ins Bild laufen, wir wollten doch…“. „Tschuldigung… hihi, wollte nur mal ein Stück hochgehen“. Dem folgenden Getuschel konnten wir entnehmen, dass bereits tiefe Gräben durch die Gruppe gingen. Regina, die große Blonde mit dem weit nach vorn stehenden Kinn führt ihr Grüppchen nun auf die Düne. Nach einigen Metern im tiefen Sand wird wieder Aufstellung genommen. Schnell werden Bilder in sämtlichen Posen geschossen. Geschwind wird sich nochmal hingelegt und den Kopf aufstützen, da mahnt auch schon der Guide zum Aufbruch. Die Gruppe dackelt fotografierend rückwärts in Richtung LKW zurück. Die Klappe schließt sich, der Motor startet und wenige Sekunden später hören wir nur noch den leiser werdenden Motor bis die Szenerie wieder in natürlicher Stille versinkt. „Was war das denn???…“

Swakopmund – die deutsche Oase im südlichen Afrika. Das kleine Städtchen direkt am kalten Atlantik präsentierte sich uns, wie ein in die Jahre gekommenes Seebad. Hier und da stechen vereinzelt Überbleibsel deutscher Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts ins Auge, die aber im Meer eines undefinierbaren baulichen Einheitsbreis nicht weiter auffallen. Die Stadt wirkte oft wie ausgekehrt. Wenn der Dunst der See durch die Häusergassen kroch, fühlten wir uns ein wenig wie in „London bei Nebel“. In den einschlägigen Restaurants, Bäckereien und Metzgern der Stadt wird kulinarisch natürlich „gedeutschelt“. Wem es nach „Schweinebraten“, „Roggenmisch“ oder „Käsekuchen“ mundet, der wird hier sein Plätzchen finden.

Wir saßen in den bequemen Sesseln unserer Lodge vor den Toren des „Etosha National Park“, als sich beim Auflaufen der deutschen Fußballnationalmannschaft plötzlich ein längliches Kinn, gefolgt von einem blonden Bobschnitt in unseren Sichtbereich schob. „Ach nö, was machen Die den hier“, dachten wir im Duett. Ähnlich wie die Sonnenliegen in Südeuropa wurde die halbkreisförmige Bar vor unserer Nase in Beschlag genommen. Das Spiel war bereits vor dem Anpfiff gelaufen. Mit Wörterbuch Englisch orderte man Getränke und trällerte ein wenig später ein Prost auf „Schwarz, Rot, Gold“. Wir sanken tiefer in unsere Sessel, wandten den Blick ab und schämten uns fremd. Am nächsten Tag fanden wir Regina, Uschi und Klaus am Pool. Während es die Damen zumindest in den Badeanzug geschafft hatten, lag Klaus in voller Montur mit seinen Wandersandalen auf der Liege. Wir kamen ungewollt ins Gespräch. Ja, soweit sei alles super, aber die ganzen Ausflüge seien schon stressig. Daher mache man heute mal einen richtig Ruhigen. Uns schießen sofort die Worte von „Bahee“, dem Reiseführer von „Hummeldumm“, durch den Kopf. „Musst du gucken in Prospekt, steht alles drin“.

Rückblickend hat uns Namibia aufgrund der landschaftlichen Reize vollends begeistert. Unterwegs genossen wir die verschiedensten Regionen des Landes mit Ihren typischen Szenerien. Herausheben möchten wir dabei die „Namib“, welche uns mit Formen und Farben vollends vom Hocker gehauen hat. Ein besonderes Erlebnis „tierischer Natur“ konnten wir im „Etosha NP“ erleben, als wir aus nächster Nähe zwei Löwen beim Verspeisen einer Giraffe beobachteten. Schlussendlich, und damit möchten wir für heute schließen, gebührt unser Dank Karen & Dirk, die uns sowohl in Windhoek als auch Swakopmund mit Haus, Hof und Ihrer Gastfreundschaft verwöhnten und somit unserer Reise eine unvergessliche persönliche Note gaben. „Dankie, julle twee“.

Ganz liebe Grüße an Alle

Eure zwei Reisenden

Angie & Thomas

2 Gedanken zu „Unter Wölfen“

  1. Wie immer ein Fest Euer Update zu lesen!! Was musste ich beim Lesen grinsen und an „Hummeldumm“ denken… 🙂 Thomas: Deine Schreibe ist Pulitzer Preis verdächtig!!! Freu mich jetzt schon auf das hoffentlich bald erscheinende Buch, welches ich bei Amazon schon mal vorbestellen und natürlich entsprechend rezensieren werde 🙂 Miss you guys!

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  2. Hi Thomas und Angie
    Ja, auch ich lese Eure Reisegeschichten. Das mit dem Cola-Laster konnte ich mir bildlich vorstellen 😦 Passt auf Euch auf und viel Freude bei Eurer Reise.
    PS: Ich war hier heute morgen im See schwimmen, fast so nett wie im Pool in CPT, nur kühler 🙂
    Jo

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