Simbabwe

Die ZugVögel

Location: Bulawayo, Simbabwe
Wetter: am Tage warm, nachts kalt
Zeitunterschied: keiner

Wer sich schon immer gefragt hat, wo das Märchen „Dornröschen“ gespielt haben könnte, dem sei im Folgenden ein Platz genannt, auf den dies im übertragenen Sinne zutreffen würde – Simbabwe. Einzig die Attribute melancholisch oder depressiv müssten dem Schlaf in den Dornen noch hinzugefügt werden, um eine abschließende Charakterisierung zu vervollständigen.

Schon bei unserer Ankunft im Touristenort „Victoria Falls“ fühlten wir uns von dieser eigenartigen Stimmung umgeben und das trotz des nur wenige Meter entfernten „Weltnaturerbes“. Wer ein wenig später über die Brücke ins Nachbarland Sambia läuft und dort nach Livingstone kommt, wird den Unterschied an Vitalität sofort bemerken. Die desaströse Politik eines gewissen Herrn Mugabe in den letzten 20 Jahren führte zu einer Misswirtschaft sonders gleichen und hat aus dem einstigen Hoffnungsträger ein Armenhaus im südlichen Afrika gemacht. Das Resultat kann im ganzen Land bestaunt werden und äußert sich in Mangelwirtschaft, gigantischer Inflation und Flucht der Bevölkerung in andere Länder. Sowohl für die Menschen in Simbabwe als auch für den preisbewussten Reisenden stellen die Kosten im Lande ein besonderes Problem dar. Beim Besuch des Supermarktes muss man sich permanent die Augen reiben, wenn man die Preise für Nahrungsmittel betrachtet. Wie so oft in Afrika kann man für die Menschen nur hoffen, dass es in den nächsten Jahren eine Rückbesinnung auf den Weg der Vernunft gibt und eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen einsetzt.

Nach der recht zügigen Erledigung der Grenzformalitäten auf simbabwischer Seite begann für uns wiedermal ein Geduldsspiel aus dem Themengebiet „Transport“. Im heutigen Fall ging es weniger um die Verfügbarkeit als um den Preis für diesen. Wir haben uns über die Jahre eine recht gut funktionierende Strategie zugelegt, die große Ähnlichkeit zu meinem alten Berufsleben hat und dort „Böser Bulle, guter Bulle“ genannt wird. Angie mimt in diesem Spiel immer den harten Verhandlungsführer, womit die Gegenseite oft nicht umgehen kann. Auch heute waren binnen Minuten die Fronten verhärtet und man trennte sich wieder räumlich voneinander. Da aber beide Seiten aufeinander angewiesen sind, musste irgendwie eine Lösung gefunden werden. Nun begann mein Part. Ich schlich scheinbar unmotiviert in der Gegend und Schwups, ganz zufällig, kommt man wieder ins Gespräch. Der Fahrer klagte mir sein Leid bezüglich unseres geforderten Preises und ich stimmte in seine Wehklagen ein. Am Ende musste ich dann aber dem Fahrer mitteilen, dass ich machtlos sei, da ich mich nicht über die Entscheidung meines „Bosses“ hinwegsetzen kann. Für den dabei aufgesetzten treudoofen Blick gibt es dann Mitleid von der anderen Seite, was ein wichtiger Bestandteil der Strategie ist. Anschließend ging ich dann wieder zu Angie zurück und tat so als würde ich sie zu einem Einlenken bewegen wollen. Lautstark und wütend wies Angie diese Forderung zurück und ließ mich einfach stehen. Wichtig nun wieder, der treudoofe Blick zum Fahrer, für den wir ja den ganzen Zirkus veranstalten. Ein verlegenes Achselzucken mit der passenden Gestik unterstützt und verdeutlicht ebenfalls die völlige Ausweglosigkeit. Das Spielchen wiederholte sich dann so oder in ähnlicher Form.

Wir saßen endlich im Taxi zu den Victoria Falls. Eine gut Stunde haben wir diesmal benötigt, um unseren Fahrer Terence weich zu klopfen bis er uns für den normalen Preis von 20 US$ mitnahm. Eigentlich wollte er 35 US$ haben. Man kann‘ s ja mal versuchen!

Den obligatorischen Besuch der „Victoria Falls“ führten wir nur auf der simbabwischen Seite durch, da es hier einfach mehr zu sehen gibt. Des Weiteren wollten wir aber auch mit unserem Budget den zweiten Eintritt in Sambia ersparen. Zum Zeitpunkt unseres Besuches führte der „Sambesi“ noch ordentlich Wasser, sodass die Sicht aufgrund der Gischt an den mittleren Teilen der Fälle variierte. Ansonsten konnten wir aber ein grandioses Naturschaupiel bewundern (siehe Fotos) und nutzten zum Schluss noch die Möglichkeit einer kostenlosen Naturdusche.

Für unseren weiteren Aufenthalt in Simbabwe nahmen wir das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ in all seinen Bestandteilen ganz wörtlich. Wir lieben Eisenbahnfahren und nutzen daher jede Möglichkeit die sich bietet. Ursprünglich beabsichtigten wir von den „Vic-Falls“ nach „Bulawayo“ und dann weiter nach „Harare“ zu reisen. Wir entschieden uns dann aber aufgrund der nächtlichen Temperaturen (5 Grad – und zelten – wir Weicheier – nö) nur einen Abstecher nach Bulawayo zu machen und am nächsten Tag den Zug zurück zu den Victoria Fällen zu nehmen. Für den Weg nach Bulawayo nahmen wir das Angebot von drei jungen Ornithologen an, die mit ihrem Jeep die gleiche Strecke befahren wollten. Ja, es gibt wirklich noch junge Leute die mit voller Hingabe bei den Vögeln sind. Selbst bei einem Päuschen auf dem Weg nach Bulawayo ging’s in die Büsche, um nach dem Vogelvieh Ausschau zu halten.

Der nächste Tag in Bulawayo ist eigentlich nicht der Rede wert – eine Stadt… nicht mehr. Am Abend bestiegen wir dann den ziemlich in die Jahre gekommenen Zug nach Victoria Falls. Wir fragen uns immer noch, wie es der Zug nur geschafft hat, die letzten 50 Jahre ohne Wartung und Putzen durchzukommen. Die Fahrt verlief dann ganz entspannt. Günstiges Bier gab es im Speisewagen bei Kerzenschein. Die Toiletten waren immer frei, da sie eh defekt waren und mein Klappbett ließ sich nur bis zu einem Winkel von 45 Grad herunterklappen. So konnte ich zumindest nicht herausfallen. Nach 15 Stunden und 430 km war das lustige Abenteuer auch schon zu Ende. Leider. Was hätten wir sonst zu erzählen.

Ganz liebe Grüße von Euren beiden Weltreisenden

Angie & Thomas

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