Wiedermal ne Panne
Tanzania

Wechselhaft bis heiter

Location: Dar-es-salaam
Wetter: sommerlich heiß
Zeitunterschied: + 1 Std.

Unser Bus rast seit Stunden durch das westliche Tansania. Mit starrem, gedankenversunkenem Blick schnappe ich von Zeit zu Zeit ein Bild der Szenerie auf. Leider schafft es dieses nicht einmal richtig in mein Bewusstsein, da mir auf dem Weg dorthin bereits der nächste Gedanke durch den Kopf schießt.

Die Erinnerungen der letzten vier Monate Afrika huschen in einem wahllosen Durcheinander an meinem geistigen Auge vorbei. Landschaften werden durch Personen, Tiere durch Ereignisse verdrängt. Zeitgleich füge ich auf einer anderen Ebene Ort und Zeit zusammen, damit eine spätere Betrachtung nicht völlig aus dem Rahmen fällt. Mit vollem Kalkül zaubert mir mein Unterbewusstsein ein Schmunzeln ins Gesicht, spiegelt das doch am besten den Inhalt meiner Gedanken nach Außen wieder. Ein lauter Knall lässt in Bruchteilen einer Sekunde mein Lächeln zu einer Sorgenfalte verkommen und befördert mich direkt in die Realität zurück. Der Bus schlingert und kommt schließlich zum Stillstand. Reifenplatzer. Zum Glück ist nichts weiter passiert und oh, welch ein Zufall, wir haben sogar einen Ersatzreifen dabei. Der Wagenheber kam zum Glück auch zehn Minuten später mit dem nächsten Bus. Unseren beabsichtigten Anschlussbus werden wir nun natürlich verpassen, aber wenn wir mal ehrlich sind, haben wir mit ihm nicht wirklich gerechnet. Mit dem Erreichen der Busstation in „Kahama“ endet wieder einmal ein typischer afrikanischer Reisetag, wie er täglich tausendfach passieren könnte. Im Nachgang wurde es für uns dann doch noch ein besonderer, wenn nicht sogar wunderschöner Tag, was aber beileibe nicht am Wetter lag.

Die letzten zwei Wochen unserer Afrikareise verbrachten wir da, wo es uns mit am besten gefallen hat – in Tansania. Auf dem Weg von Ruanda zur tansanischen Küste legten wir noch einmal einen Stopp in Moshi ein und genossen noch ein paar Tage Zelten am Fuße des Kilimanjaro. In der letzten Woche vor dem Abflug aus Dar-es-salaam, zog es uns nochmal ans Meer zurück. Wir campten in dieser Zeit etwas ab vom Schuss in einem kleinen Beachresort südlich von Tanga. Viel zu erzählen gibt es hierüber eigentlich nicht, beschränkten sich doch unsere Aktivitäten auf das Stillen von Durst und Hunger, die Bräunung der Haut und vor allem nachdenken über das Erlebte der letzten vier Monate. Um den Faden gleich aufzugreifen nutzen wir die Steilvorlage, um ein wenig über unsere Eindrücke aus Afrika zu plaudern.

Grundsätzlich können wir für uns festhalten, dass Afrika sicher nicht unser „Lieblingsreisekontinet“ geworden ist. Damit haben wir im Vorfeld aber auch wirklich nicht gerechnet. Von den bereisten Ländern möchten wir aber drei Länder herausheben, die uns sehr gut gefallen haben und welche wir auch in Zukunft noch einmal besuchen würden. Das sind Südafrika, Namibia und Tansania. Alle Drei haben uns in puncto Natur, Aktivitäten, Unterkunft und Essen am meisten begeistert und boten ein hohes, aber wie wir denken, dennoch angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Für uns, wie für alle Budgetreisenden, besteht in Afrika das Problem, dass man mit wenig Geld auch relativ wenig unternehmen kann sowie in puncto Essen oft sehr eingeschränkt bzw. einseitig speisen muss. Afrika lebt von seiner Natur und den dazugehörigen Parks. Ohne eigenen fahrbaren Untersatz oder eine gebuchte Tour ist „schnell Ende im Gelände“ oder das Budget gesprengt. Auf der anderen Seite laden Afrikas Städte, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gerade zu ausgedehnten Wohlfühlaufenthalten ein, sodass sie als Reisebeschäftigungsfeld nur eingeschränkt nutzbar sind. Und so erklärten wir kurzer Hand den Weg zum Ziel und nahmen Das mit, was in Eigenregie und finanziell möglich war. Und da ist einiges hängen geblieben, an das wir uns natürlich gern erinnern werden. Landschaftlich hat uns die „Namib“ mit ihren den Dünen von Soussousvlei besonders beeindruckt. Gern erinnern wir uns auch an die entspannten Tage in der „Mushroom Farm“ im Norden Malawis zurück, die uns mit einem atemberaubenden Blick auf den Lake Malawi verzauberte. Die Fahrt über den „Victoriasee“ und die ausgedehnte Spaziergänge durch „Stone Town“ zählen ebenso dazu, wie der banal wirkende aber für uns unvergessene Kaffeeklatschnachmittag am Fuße des Kilimanjaro. Ganz besonders haben wir uns aber wieder über unsere Reisebekanntschaften gefreut, da es eigentlich nichts Schöneres unterwegs gibt, als gemütlich ein Bierchen zu schlürfen und über Gott und die Welt zu quatschen.

Im Großen und Ganzen können wir festhalten, dass Afrika sicher von allen Kontinenten am schwierigsten zu bereisen ist, insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dennoch ist heutzutage auch hier nichts mehr unmöglich. In der Regel dauert es nur länger, ist ein wenig beschwerlicher oder kostet mehr. Vielleicht sollte man als Reisender nicht zu große Erwartungen in Bezug auf das „große Abenteuer“ haben. Das was für Reisende in Afrika interessant sein könnte, ist in der Regel auch touristisch erschlossen oder erreichbar.

Nach der Ankunft in „Kahama“ suchten wir uns ein Hotel in der Nähe des Busbahnhofs, mussten wir doch am nächsten Morgen bereits um sechs Uhr zur nächsten Busfahrt aufbrechen. Nach dem Duschen ruhten wir uns erstmal aus und checkten wie jeden Tag die Emails. Es war nicht wirklich viel los in unserem Posteingang, bis auf zwei unscheinbare Emails. Nach zwei, drei Klicks rasten unsere Augen quer über den Inhalt der Mails. Die folgenden Minuten nutzten wir für einen ausgiebigen Matratzensprungtest, der in der Höhe nur durch die relativ tief hängende Lampe begrenzt wurde. Nach gut anderthalb Jahren, jeder Menge Geld und vor allem Nerven haben wir nun unsere Permanent Residenz für Australien bekommen. Der restliche Abend gestaltete sich dann relativ einseitig. Nach dem Essen fassen, entnahmen wir die eine oder andere Bierflasche aus dem Kühlschrank der Rezeption und begossen den wunderschönen und ganz besonderen Tag.

Was wir in den folgenden Wochen alles erlebten, bevor wir unseren derzeitigen Aufenthaltsort Bangkok erreichten, könnt ihr in unserem nächsten Reisebericht erfahren. Bis dahin wünschen wir euch eine schöne Zeit und verbleiben mit ganz lieben Grüßen an alle Leser.

Eure zwei Weltreisenden

Angie & Thomas

 

 

 

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