Mauritius

Die Glasperle

Location: Mauritius
Wetter: angenehm warm
Zeitunterschied: + 2 Std.

Es muss irgendwann Anfang der 80-ziger Jahre gewesen sein, als ich gemeinsam mit meinem Opa die vielen Motive seiner Briefmarkensammlung unter dem Vergrößerungsglas bestaunte. Mit der typischen kindlichen Neugier, den Dingen genau auf den Grund zu gehen, sprachen wir auch über den Ursprung der „Philatelie“. In diesem Zusammenhang wurde unserer heutiger Aufenthaltsort erstmalig erwähnt.  Zu guter Letzt saß ich bei Opa auf dem Schoß und blickte in einen riesigen Atlas. So wie bei vielen ostdeutschen Landsleuten, fuhr auch mein Finger über die Weltkarte, bis die Lage des fernen unbekannten Eilands im Indischen Ozean ausgemacht war – Mauritius.

Angie hat sich heute richtig gut im Griff. Bis auf ein kurzes Schnaufen kann ich nichts vernehmen, was aus dem Rahmen einer diplomatisch geführten Unterhaltung fällt. Dabei bestehe Grund genug für uns, dem netten Herrn hinter dem Tresen mal so richtig die Meinung zu geigen, teilt dieser uns doch gerade mit, dass der hiesigen Autovermietung keine Buchung auf unseren Namen vorliege. Na super. Nach dem flauschigen Teppich in der neuen Empfangshalle des Flughafens folgt nun die harte Landung am Fuße des Europcarschalters.

Zur Glättung der emotionalen Wogen muss eine Lösung her, vorzugsweise „zeitnah und günstig“. Mit stoischer Ruhe und Gelassenheit telefoniert sich Kevin, der nette Mitarbeiter hier am Flughafen, durch die lokalen Instanzen des Vermietungsimperiums und präsentiert uns am Ende den folgenden Vorschlag. „Ich werde euch ein Taxi besorgen“. Ach, … nee!
Was sich für einen Außenstehenden etwas seltsam anhört hat in der mauritischen Wirklichkeit einen ernsten finanziellen Hintergrund, denn „Otto – Touristtaxifahrgast“ muss in Ermangelung des Wissens über den reellen Preis und gangbarer Alternativen üblicherweise das dreifache Beförderungsentgeld hinblättern. Das stellt kein Problem dar, solange es sich um 2-3 Euro handelt und wie es in vielen anderen Ländern zum guten Ton gehört. Beim Zahlenspiel 30 oder 90 Euro gibt es aber für uns nicht mehr viel zu überlegen, zumal die einzige Alternative namens Bus, am Abend nicht mehr fährt.

„Local Taxi“ hieß nun das Stichwort und war geschmacklich genau nach unseren Vorstellungen. Kevin fuhr uns zunächst in den nächstgelegenen Ort, wo es an einem Straßenstand erst mal ein paar „Rotis“ zur Stärkung gab. Nebenbei bot sich natürlich gleich die Möglichkeit, ihn ein wenig über Land und Leute zu befragen. Nach der Stärkung setzte er uns am  örtlichen Taxistand ab, wo wir einen klapprigen „406“ aus dem Hause Peugeot bestiegen. Die folgenden 500 Meter ergoss sich ein Wortschwall über unsere müden Häupter, erklärte der nette Fahrer doch überschwänglich, welche berühmten Personen er in seinem Leben schon kutschieren durfte. Zäh zog sich die Strecke dahin, nicht nur aufgrund dreier riesiger Geschwindigkeitshügel. Am Ende folgte ein schneller Wechsel der Fahrer. Da Sohnemann noch eine andere Tour hatte, fuhr uns sein Papa die 70 km bis in den Norden der Insel. Unterwegs hatten wir eine lustige Unterhaltung. Mit seinem wenigen Englisch erklärte er uns aber sehr kreativ und fast bühnenreif die Vorteile der Insel. Das hörte sich ungefähr so an: „Tourist gut gut, ja ja… Beach gut… ja ja… Wetter waaarm und gut gut… ja..ja und Wasser gut.“

Noch ein kleine Insiderfrage am Rande. Wo legten wir den ersten Stopp ein? Richtig! Nach 3 Kilometern an einer Tankstelle und sagenhaften 4,57 Litern neu an Bord. Der Rückweg stellte zum Glück kein Problem dar, sollte doch unser Fahrgeld lässig ausgereicht haben, um den Tank mal so richtig aufzufüllen. Sicher am Hotel angekommen, gaben wir uns nur noch der Dusche und einem kühlen Bier hin. Am nächsten Tag erfüllte sich unser Traum von einem Auto doch noch oder eher nicht? Auto ja, aber was für eine „Gehhilfe“. Nichts gegen chinesische Fortbewegungsmittel aber bei „GWM- Great Wall“ sollte man es vielleicht doch zunächst mit technisch übersichtlicheren Produkten versuchen.

Mauritius – Die Insel weckt Phantasien und lässt Reiselust aufkommen. Wenn ihr Name fällt, reichen die Vorstellungen von Südseeparadies bis Karibikinsel mit Palmen. Der Abstecher  bot sich für uns an, hatten wir doch sowohl auf dem Hin- als auch Rückflug nach Australien, einen Stopp hier. Wir bezogen ein unspektakuläres aber nettes Hotel, fernab der reichlich vorhandenen Resorts, im Norden der Insel. Mit einem Strand in Rufweite, ein paar Lokalen in unmittelbarer Nähe und dem nächsten größeren Ort drei Kilometer entfernt waren all unsere Bedürfnisse abgedeckt.

Wir fahren über die Insel. Die Landschaft ist übersichtlich. Rechts und links der Straße reihen sich die Zuckerrohrfelder aneinander. Landeinwärts wird der Horizont oftmals durch Bergketten begrenzt. Dagegen gewinnt in Richtung Meer die Vegetation an Höhe und Intensität. Gewöhnlich säumt ein Gürtel aus „Filao“ Bäumen diese Bereiche. Die Siedlungen entlang der Küste sind eng bebaut, der Platz begrenzt und gefragt, der Touristen wegen. Häufig reichen sich die Mauern der Resorts die Klinke in die Hand und versperren den Blick auf das Meer. Die Strände und der Zugang zu diesem stehen aber immer der Öffentlichkeit zur Verfügung. Badeschuhe erleichtern regelmäßig den schmerzfreien Einstieg in das wirklich wunderschöne, türkisfarbene Nass. Das Wasser ist warm und lädt zum Verweilen ein. Draußen vor der Küste brechen die Wellen am Riff und bilden einen sich ständig erneuernden weißen Saum, ein Abbild der der „Blauen Mauritius“?

Jeden Tag besuchten wir den schlichten Imbissstand der beiden Jungs, welcher direkt an der Hauptstraße durch „Grand Baje“ gelegen war. Auch sie haben sich bereits kulinarisch an die Bedürfnisse der meisten Touristen angepasst und bieten neben einheimischen Spezialitäten auch Burger & Co. an. Wir ließen uns täglich „Rotis“ bringen, die leckere indische Spezialität mit herzhafter Curry-Füllung. Sie lachten immer schon wenn wir ankamen, fanden es lustig, dass wir immer das Gleiche bestellten, schmeckte halt. Generell kann man auf Mauritius alles zu essen bekommen, was nördlich und südlich des Äquators angeboten wird. Kulinarisch vereinen sich die verschiedensten Strömungen auf den wenigen Quadratkilometern hier im Indischen Ozean. Warum? Prinzip – „Robinson Crusoe“– 400 Jahre zuvor war Mauritius ein unbewohntes Eiland. Dann kamen  „Robinson und Freitag“ und legten „Speis und Trank“ zusammen und Mauritius vielfältige Küche war entstanden.

Das Frühstück wurde heute verschoben. Wir schlappten an unseren Strand rüber. Es war kurz nach Sieben. Ja richtig, es war Sieben und wir im Urlaub. Wie die Störche stakten wir ins morgendlich noch kalte Nass. Der Einstieg glückte. In Brustlage schwebten wir gemütlich durch die Bucht. Unsere Köpfe durchbrachen als einzige Unregelmäßigkeit das ansonsten glatte Wasser. Das Geschnatter hallte: „Schön wa?“– „Ja, ja, schwimme weiter, das ist gut für dein Rücken“. Danach gab es Frühstück, schön war‘ s, so früh am Morgen.

Wer den Hochglanz Magazinen zuviel Glauben schenkt, der könnte in Mauritius schon ein wenig enttäuscht werden, zumindest dann, wenn man den Bereich der Hotelresorts verlässt. Es ist sehr touristisch auf Mauritius, was ja per se nicht grundsätzlich schlecht sein muss. Richtig störend empfanden wir eigentlich nur die vielen Bausünden im Küstenbereich. Wie immer sind die Plätze in der ersten Reihe sehr begehrt, leicht nachvollziehbar bei dem schönen Blick auf das Meer. Ebenfalls etwas enttäuschend verliefen unsere Ausflüge auf der Insel. Wir besuchten die Hauptstadt Port Louis und stellten fest, dass man rein gar nichts verpasst, wenn man sie nicht besucht. Auch den „Botanischen Garten“ vom Pamplemousses kann man getrost einem weiteren Strandtag opfern. Einziger Lichtblick aus unserer Sicht war die „Ile aux Cerfs“, wenngleich dort der Tagestourismus den Gang der Dinge bestimmt.

Richtig nett fanden wir die Einheimischen, die immer zu einem „Schwätzchen“ bereit und  in allen Lebenslagen hilfsbereit sind. Wie bereits angeführt mussten wir auch beim Essen keine Abstriche machen und konnten aus der vollen Bandbreite zu günstigen Preisen schöpfen. Zu guter Letzt stach uns das Blau des Meeres ins Auge – mal tiefblau oder türkis, aber auf alle Fälle schön anzusehen. Mauritius – eine Perle im Indischen Ozean. Aber auch eine Echte?

In diesem Sinne wünschen wir euch eine schöne Zeit.

Bis demnächst.

Eure beide Weltreisenden

Angie & Thomas

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