Südafrika

Das andere Ende der Wurst

Location: Johannesburg, Krüger NP
Wetter: sommerlich
Zeitunterschied: keiner

Die „Gegensätze“ auf dieser Welt sind es zumeist, die der bisweilen laschen Suppe „Leben“ erst die richtige Würze geben. In Puncto „regionale Denkmuster“ brauchen wir nicht allzu weit zu schauen, um festzustellen, dass Bayern und Preußen oder Rheinland und Ruhrpott zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe sind. Kennzeichnend dabei ist der stetige Versuch, mit Hilfe von lokalen Brauch- und Wertevorstellungen die Deutungshoheit im Gesamtbild der Nation zu erlangen.

Auch in Südafrika gibt es zwei Regionen deren Wesensmerkmale nicht unterschiedlicher sein könnten. Und so ist es auch hier nicht verwunderlich, dass jede Menge Vorurteile das Zusammenleben prägen. Tief im Westen des Landes finden wir Kapstadt, welches als hippe und weltoffene, aber dafür wirtschaftlich arme Stadt daherkommt. Den Menschen wird sogar eine gewisse Lethargie nachgesagt, welche aber zum Glück nur auf die Arbeitsmoral zutrifft. Auf der anderen Seite des Landes befindet sich „Joburg“, wirtschaftlich stark, aber aus Sicht der Kapstädter irgendwo im Nirgendwo auf dem Weg nach Kairo gelegen, hundsgefährlich und nicht gerade eine Schönheit. Allen Eigenheiten zum Trotz, in einem sind sich Südafrikas Regionen zumindest einig: auf den Braai (Grill) kommt nur eine Wurst – die Boerewors (aufgerollte Bauernwurst). Da wir auf dem einen Zipfel der Wurst ständig kauen, die gegenüberliegende Seite aber nur flüchtig kennen, war nun die Zeit für einen größeren Bissen am anderen Ende reif.

„Auf die Sekunde genau 105 Minuten“ dauerte der Flug von Kapstadt nach Lanzeria nahe Johannesburg. 105-mal bestätigte sich dabei in mir das Gefühl zeitlicher Fixierung, das mich immer dann  überkommt, wenn ich in einer der fliegenden Röhren sitze und mein Blick über die Uhr schweift. Nur widerwillig und schleppend reihen sich dann die Sekunden aneinander. Der permanente Versuch der Zeit, diese zu Minuten zu formen, ist für mich an Orten wie diesem von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteilt. Fliegen kann so schön sein, aber nicht für mich. „Kulula“ – macht Ihrem Namen alle Ehre und legt eine „leichte“ und „lockere“ Landung hin. Unser erster Eindruck nach dem Verlassen des kleinen, putzigen Flughafens fiel positiv aus. Beim Blick in die Peripherie mochten wir gar nicht den immer wiederkehrenden Unkenrufen der „Kapstädter“ Glauben schenken, dass „Joburg“ so hässlich sei. Wie ein von Wellen durchzogenes grünes Meer präsentierte sich uns die hüglige Landschaft im Umfeld des Flughafens. Natürlich befindet sich Lanzeria schon etwas außerhalb des engeren Ballungsraums, was aber unseren ersten positiven Eindruck nicht schmälern soll.

Ähnlich wie in Deutschland führte uns einer der ersten Wege zu den „Schneiders“ nach Hause. Diese werden in Südafrika allerdings eher „Taylor“ genannt, schneidern aber ebenso wenig, wie Ihre deutschen Namensvetter. Steffi und Richard hatten uns schon vor geraumer Zeit nach Johannesburg eingeladen. Nun konnten wir der Offerte endlich Taten folgen lassen. Bevor es für uns vier ein paar Tage an den Hartbeespoort Stausee“ in der Nähe von Pretoria ging, verbrachten wir zunächst einen Tag bei Richards Eltern im Speckgürtel von Joburg mit Chillen. Wie im Rest der Welt, so auch hier, werden die Beine lang gemacht, Wein- oder Bierflaschen geöffnet und zu guter Letzt der Grill angeschmissen, den man in Südafrika allerdings „Braai“ nennt. Ein einfaches Konzept, welches aber regelmäßig zur höchsten Zufriedenheit der Gäste führt. „Chillen“ – Teil 2 startete dann am nächsten Tag. Am „Hartbeespoort Stausee“ bezogen wir den Wochenendbungalow der Taylor’s und ließen es uns mal so richtig gut gehen. Zwischen den morgendlichen und abendlichen kulinarischen Genüssen verweilten wir hauptsächlich auf dem See. Das hauseigene Motorboot eignete sich dabei vorzüglich, um sowohl die landschaftlichen Reize der Umgebung zu erkunden, als auch die persönlichen Grenzen in Punkto Wassersport auszutesten. Wie Ihr sicher unseren Fotos im Anhang entnehmen könnt, hatten wir jede Menge Spaß mit Reifen, Board und Jet Ski. Vielen Dank noch einmal an Steffi und Richard für die schönen Tage.

Ein längerer Aufenthalt in Südafrika, ohne dem weltbekannten „Krüger Nationalpark“ ein Besuch abzustatten, wäre wohl vergleichbar mit einer Stippvisite in Gizeh, ohne die Pyramiden zu besichtigen. Da unsere Tage hier in Südafrika bekanntlich gezählt sind, war es nun höchste Zeit. Nach unserem Aufenthalt am „Hartbeespoort“ reisten wir daher weiter in Richtung Osten. Auf den gut ausgebauten Straßen ließen wir schnell die flächenmäßig kleinste Provinz „Gauteng“ hinter uns und tauchten in “Mpumalanga“ ein. Der schleichende Wechsel vom Gras- und Waldland hin zu tropischer Flora kündigte die nahende Provinzhauptstadt „Mbombela“ an, dem Ausgangspunkt für einen Besuch im „Krüger“. Übrigens, das für deutsche Zungen etwas schwer auszusprechende„M“ in den beiden Ortsnamen formt man am besten so: Summe für ca. 0,5 Sekunden „Mmhhh“, wie wenn etwas lecker ist, und füge dann den Rest des Wortes hinzu. Auf Deutsch bedeutet „Mpumalanga“ übrigens sinngemäß „Ostdeutschland“ – „Ein Ort, an dem die Sonne aufgeht“.

Der in den Provinzen „Mpumalanga“ und „Limpopo“ gelegene Krüger Nationalpark erstreckt sich mit seinen gut 20.000 km² (Größe wie Hessen) entlang der mosambikanischen Grenze und besticht vor allem durch seinen Artenreichtum. Mit großer Vorfreude und Neugier gleichermaßen starteten wir unsere Tour in den Nationalpark. Aufgrund der ausgebuchten Camps im Süden des Parks mussten wir zunächst in Richtung Norden ausweichen, um noch einen Stellplatz in einem Camp für unser Zelt zu erhaschen. Die damit verbundene Wegstrecke von etwa 200 km betrachteten wir als gute Möglichkeit, so viel wie möglich zu sehen. Kaum dass wir in den Park eingefahren waren, begann unser „Stop and Go“ Streifzug durch die wechselnden Landschaften des „Krügers“. Bei langsamer Fahrt tasteten unsere Augen jeden Grashalm rechts und links der Straße ab, immer auf der Suche nach der ganz besonderen Gattung Wildtier. Schnell bemerkten wir aber, dass es relativ einfach ist, eine Fülle von Tieren von der Straße aus zu beobachten. In die Kategorie „Glück“ fallen diesbezüglich nur Tiere wie der Leopard oder andere nachtaktive Katzen. Aber auch die Landschaft des Parks bietet den Besuchern ein abwechslungsreiches Programm. Von flacher Savanne bis zu dichtem Buschland, von weiten Flussläufen bis zum matschigen Wasserloch, das Repertoire umfasst auch hier fast alles was Afrika zu bieten hat. Und so fällt unsere Gesamteinschätzung zum Park auch sehr positiv aus. Es ist durchaus richtig, dass der Park ein großer Touristenmagnet ist. Nichtsdestotrotz verteilen sich diese recht gut in der Fläche. Der Süden wird sowohl von Mensch als auch von Tier mehr frequentiert als die nördlichen Teile des Parks. Auf den asphaltierten Hauptstraßen gleitet man gemütlich mit erlaubten 50 km/h dahin. Aber auch die vielen Schotterpisten in der Tiefe des „Krügers“ sind problemlos mit jedem gängigen Durchschnittsauto zu bewältigen. Tierisch einfach sind die Beobachtungen der gleichnamigen Geschöpfe. Unsere Highlights neben den anderen unzähligen Sichtungen waren ein im Baum schlafender Leopard, die achtköpfige Löwenfamilie sowie Frau Tüpfelhyäne am Giraffenkadaver. Fazit: Ganz klar Daumen hoch für den Krüger Nationalpark und Fotos anschauen.

Bevor es nach Kapstadt zurückgehen sollte, hatten wir noch einen Abstecher in ein Land geplant, was quasi niemand so richtig als eigenständigen Staat wahrnimmt, obwohl es sich sogar um ein Königreich handelt – „Swasiland“. Vom Papier her gibt es zunächst nicht viel Positives aus Swasiland zu berichten. Die letzte absolute Monarchie Afrikas besticht vor allem mit der höchsten AIDS Rate (40 %) weltweit sowie einem der hinteren Plätze beim Wohlstandsindex der Bevölkerung. Im völligen Gegensatz dazu steht das Leben der Familie um König Mswati III., das man kurz mit „in Saus und Braus“ umschreiben könnte. Eigentlich ging ich immer davon aus, dass Swasiland ein flaches Stückchen Land an der Grenze zu Mosambik wäre. Aber weit gefehlt. Der Norden des Landes glich, nachdem man die Zone mit der exzessiven Forstwirtschaft durchquert hatte, dem schottischen Hochland. Mit jedem Schritt weiter in Richtung Süden wandelte sich die Landschaft hin zu einer Schweizer Voralpenlandschaft bevor im Tiefland die Zuckerrohrfelder die Szenerie dominierten.

Wir bezogen Quartier im „Wlilwana Wildlife Sanctury“ und ließen es wie immer ruhig angehen. Neben einer vierstündigen Wanderung durch den Park wäre da nur noch der wirklich nette Nachmittag bzw. Abend mit Kathrin und Richard, zwei deutschsprachigen Reisenden aus der Alpenrepublik mit Faible für‘ s emotionale Tischtennismatch. Wir saßen einfach bei ein paar Bierchen in der Sonne und quatschten über Gott und die Welt bevor am Abend die „Swaziland Open“ am grünen krummen Holzbrett ausgetragen wurde. Wer hat eigentlich gewonnen?  Ein typisches Treffen unter Reisenden an das man sich gern zurückerinnert. Wer übrigens im Raum Salzburg beheimatet ist und mal einen Profi in Sachen Fotografie benötigt. Richard hat die Gabe schöne Ausschnitte der Realität in Bilder zu bannen. Hier seine Webseite: RS-Portfolio

Das war dann unser letzter Ausflug während unseres gut zweijährigen Aufenthalts in Südafrika. Aber in naher Zukunft kündigen sich bereits neue Erlebnisse in anderen Ländern dieses riesigen Kontinents  an. Mit unserer Abreise in Kapstadt Anfang Juni werden wir ein neues Kapitel unserer Reise um die Welt aufschlagen. Über die „leichtere Route“ entlang der Ostküste Afrikas werden wir uns gen Norden durchschlagen. Dabei setzen wir wieder ganz auf Bus, Bahn oder Schiff, um uns auf dem Weg in Richtung Kairo voranzubringen.

Zunächst werden wir aber unseren letzten Monat hier in Südafrika in vollen Zügen genießen, bevor das Leben als Backpacker wieder beginnt.

In diesem Sinne ganz liebe Grüße vom Kap

Eure zwei Reisenden

Angie und Thomas   

 

Ein Gedanke zu „Das andere Ende der Wurst“

  1. Vielen lieben Dank für Euern neuesten Reisebericht und wir hoffen Ihr
    habt die Zeit genossen. Wir freuen uns schon so sehr auf die nächsten Reiseinfos wenn Ihr wieder als Backpackers unterwegs seid.
    Seid ganz lieb gegrüsst und passt auf Euch auf!
    Liebe Grüsse an alle…

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