Südafrika

Sieben auf einen Streich

Location: Cape Town – Karoo – Garden Route – Cape Town
Wetter: sonnig und warm
Zeitunterschied: + 1 Std.

Die Zeit war wieder einmal reif für eine kleine Auszeit vom Alltag. Knapp zwei Wochen Resturlaub standen uns zur Verfügung, um eine kleine Reise durch das Western Cape zu unternehmen, der Provinz in der wir zurzeit leben. Sinnbildlich wollten wir mal wieder die Stadt  hinter uns lassen und ins Landleben eintauchen. Für unseren Kurztrip wählten wir die Gegend rechts und links der alten Handelsstraße Route 62 aus. Diese schlängelt sich mitten durch den südlichen Teil der „Karoo“, einer Landschaft die mit Ihrer Ausdehnung gut 1/3 Südafrikas einnimmt und von Halbwüste bis fruchtbarer Kulturlandschaft alles zu bieten hat.

Der morgendliche Berufsverkehr spülte uns recht schnell aus dem Speckgürtel Kapstadts heraus. Mit der abnehmenden Siluette des Tafelberges im Rückspiegel wechselte die Landschaft um uns vom Urbanen hin zu unberührter Natur, bis schließlich nur noch die Straße zu unseren Füßen als letztes Zeichen Zivilisation übrig blieb. Der Weg dorthin ist in Südafrika meist ein Kurzer. Hat man einmal das „flachen Land“ erreicht, fällt städtisch eher dörflich aus und ist spärlich gesät. Die Weite Afrikas wird hier Draußen greifbar und lässt erahnen, welche Dimensionen der Rest des Kontinents noch bereit hält.

„Worcester“ – wird nicht so ausgesprochen wie man meinen könnte und hat nichts mit der gleichnamigen braunen Soße zu tun, sondern steht eher für Wein und städtebaulichen Pragmatismus. Wir bogen hier rechts auf die Route 62 ab und ließen „Wuuster“ schnell hinter uns.
Soweit das Auge reicht, säumen hier die Reben edlen Saftes die Landschaft rechts und links des Weges in Richtung „Robertson“. Auch wenn durch Menschenhand erschaffen, lädt der Anblick zum Verweilen ein. Eine gute Gelegenheit dazu bieten die zahlreichen Rastplätze entlang des Strecke. Was in Europa die Autohöfe und Raststätte ist in Südafrika der „Farmstall“. In alten traditionellen Häusern oder Scheunen werden in einer Art „Tante Emma Laden“ die typischen Produkte des Landstriches verkauft. Ein angeschlossenes Café bietet meist die Möglichkeit einige Leckerbissen gleich mal zu probieren. Kurz vor Robertson nutzten wir eine sich bietende Gelegenheit und legten einen Stopp ein. Café und Quarkkuchen schmeckten vorzüglich und ließen schnell vergessen, wo wir uns eigentlich befanden. „Wie bei Mutta daheeme“ mag man meinen und was den Vater anging, ließ sich der Farmer auch nicht lumpen. Die Rasenmähershow auf der Wiese hinter dem Café beeindruckte uns wirklich. Mit einem John Deere Kleintraktor sowie zwei recht gewagten Schnittmaschinen Marke „Eigenbau“ rückte der Bauer dem Rasen zu Leibe. Zum Glück befand man sich hinsichtlich der Arbeiten auf den letzten Metern, sodass wir uns recht schnell wieder ungestört den kulinarischen Genüssen hingeben konnten.

Wir näherten uns der ersten Station auf unserer Reise – Montagu. Auf diesem kleinen verschlafenen Fleck Erde schlugen wir im wahrsten Sinne des Wortes unsere Zelte auf. Bekannt ist Montagu für seine heißen Thermalquellen, die am Rande des Ortes ein in die Natur eingebettetes Resort entstehen ließen. Seitdem bieten die jodhaltigen Quellen jedes Jahr zahlreichen Gästen die Möglichkeit zur Erholung und Entspannung. Im Ortskern selbst prägen wie so oft die typischen kapholländischen Häuser das Bild. Liebevoll gestaltete Vorgärten wechseln sich mit kleinen Cafés ab bevor ein landesweit bekannter Supermarkt die liebliche Gleichförmigkeit unterbricht. Wir schlenderten durch den beschaulichen Ort und ernteten die interessierten Blicke der Einheimischen. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass man uns wenig später im Supermarkt darauf ansprach, ob wir Neu hier wären, da man uns noch nie zuvor hier gesehen habe. Wir konnten diese nur bejahen und fügten verschmitzt hinzu, dass es uns auch nicht anders ginge. Man war erfreut über die interessierten Besucher aus dem Ausland und steckte in einem kurzen Gespräch mit uns die Eckdaten einer höfflichen Konversation ab, bevor man sich wieder dem Alltag zuwandte. Aus südafrikanischer Sicht ist hier die Welt noch in Ordnung. Das liegt nicht allein daran, dass hier die Zäune nur hüfthoch sind und mehr der Deko als dem Schutz dienen. Ruhe und Gelassenheit bestimmen das Bild, das Moderne scheint hier unwichtig, so als wenn es hier nie etwas anderes gegeben hätte.

Wir zelten, und das mit großer Freude. Südafrika bietet in dieser Hinsicht alles was man sich auf einem Campingplatz nur so wünschen kann und das in einem „picobello“ Zustand. Insbesondere oder gerade auch was den Sanitärtrakt angeht. Die dort täglich mehrfach durchgeführten Reinigungsarbeiten legten fast schon die Vermutung nahe, man versuche die Farbe der Fliesen zu entfernen. Auch bei der Auswahl der Stellfläche für das Zelt wirft man als Neuling zunächst noch unsichere Blicke ins Umfeld, um sicher zu gehen, dass man nicht doch fälschlicherweise auf dem „Grün“ des örtlichen Golfplatzes gelandet ist. Es stimmte alles und das Wetter spielte auch noch mit. Wir saßen und quatschten, tranken ein bisschen und grillten gemütlich die eingelegte Hühnerbrust vom örtlichen Versorger.

Wir folgten der Route 62 weiter in Richtung Osten. Der Weg führte uns durch ein weites Tal, rechts und links eingerahmt durch die „Rooiberge“, welche im Farbenspiel der Sonne mal graubläuchlich dann wieder gelbbraun schimmerten. Wie im Kontrast dazu schlängelte sich am Fuße der Gipfel das satte Grün aus Kultur- und Wildpflanzen durch die Ebene, gelegentlich nur durch die ein oder andere Farm unterbrochen. Über Ladismith und Calitzdorp näherten wir uns dem nächsten Stopp abseits ausgetretener Pfade –  der „Amber Lagoon“ in Langverwagt.

Dem Namen nach kommt man schon ins Grübeln, warum ein Platz im südafrikanischen Hinterland „Bernstein Lagune“ genannt wird. Erfährt man aber, dass ein gleichnamiges Containerschiff  die Weltmeere befährt und damals „Frau und Maus“ in die neue Heimat verschiffte, schließt sich wieder der Kreis für den verwunderten Besucher. Wir bezogen ein Platz unter einem Reeddach mit unserem Zelt und ließen uns im Anschluss von Susanne durch ihr Paradies führen. Die drei putzigen Vierbeiner Paulchen, Anna und Gaucho begleiteten uns dabei geduldig. In jahrelanger Arbeit haben sich Susanne und ihr Lebensgefährte Kurt eine grüne Oase in der eher kargen Landschaft der „Klein Karoo“ geschaffen. Naturfreunde können hier einen Ort der Ruhe und Besinnung finden, um einfach mal alles hinter sich zu lassen. Auch in Puncto Unterkunft ist Basic angesagt. Ob im Zelt oder im Reedhaus, es wird immer die Nähe zu den Ursprüngen gesucht. Wer einmal den Blick beim Duschen in die Weite des Umlands schweifen ließ, wird sich auch noch Jahre später gern daran erinnern.

Für den Fall einer potentiellen Gefahr hält die Evolution in der Regel zwei Handlungsalternativen bereit – Flucht oder Kampf. Erkennt man dann das nahende Unheil nicht, sei es aus Unwissenheit oder purer Selbstüberschätzung, bekommt man die Folgen, die Mutter Natur in diesem Fall bereit hält, ganz schnell am eigenen Leib zu spüren. Paulchen und Anna verbellten Samtpfötchen nur und ließen ihr mehr als einen Weg zur Flucht offen. Leider verstrich diese wertvolle Zeit ungenutzt und Gaucho nahm sich im Rausch der Sache an. Ein Einschreiten war völlig sinnlos bei 70 kg Hund mit starrem Blick. Wir sahen sie ganz genau… die sieben kleinen Lebenswölkchen… die eigentlich für ein langes Katzenleben gereicht hätte, gemächlich gen Himmel aufsteigen. Vielleicht lag ja aber auch nur ein kleiner biologischer Irrtum vor und der Instinkt unseres Kätzchens wähnte sich im Körper der etwas größeren afrikanischen Ausführung. Eventuell gibt es hier auch Parallelen zu einer heute recht beliebten zivilen Strategie bei Problemen – Aussitzen – Im Gegenlicht meiner göttlichen Wahnvorstellung vermochte ich nicht die Realität zu erkennen.

Was Gaucho nicht wissen konnte ist, dass vor nicht allzu langer Zeit eine anderer ganz besondere „Katze“ zu Gast war, der Viele aufgrund Ihrer Peinlichkeit ein Rendezvous mit ihm gewünscht hätten. Ja wirklich, irgendein Fernsehprogrammdirektor kam auf die glorreiche Idee diesen „D-Promi“ in die aus ihrer Sicht „Pampa“ zu schleppen, um Sie dort nach Straußen Eier suchen zu lassen. Uns wurde aus sicherer Quelle bestätigt, dass es bei ihr zwischen Mattscheibe und Realität keinen Unterschied gibt. Man ist heute noch irritiert vom Verhalten dieser Person.

Irgendwie hat es uns die Gegend um Oudtshoorn angetan, auch wenn der Reiz der Landschaft vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Mischung aus endloser Weite und dem Farbspiel zwischen Himmel und Erde haben wohl den Ausschlag gegeben.
Entlang der wenigen Straßen erscheinen ab und zu kleine Siedlungen, vereinzelt auch nur Häuser der ortsansässigen Farmarbeiter. Vor den Hütten der Kulis versammelt sich meist Groß und Klein in scheinbarer Langweile und harren der Dinge. Die im Winde flatternde Wäsche über den Zäunen und Leinen rahmt das Bild vom einfachen Landleben. Für den Moment der Neugier am vorbeifahrenden Fremden wandelt sich das Stillleben zum Kurzfilm, bevor es Sekunden später wieder in Lethargie verfällt. Das Leben hier draußen ist hart und wird vom immer gleichen Ablauf aus Arbeit und Schlaf bestimmt. Die einzige Abwechslung vom Alltag bilden die feuchtfröhlichen Freitagabende in geselliger Runde. Wie in Europa auch wird es dann mal lauter, Männer werden gestützt nach Hause geführt und Streit ausgetragen bevor letztendlich der Kater beginnt und wieder Ruhe einkehrt.

Wir ziehen weiter. Die Sandpiste in Richtung Rooibergpass schlängelt sich durch die hüglige Landschaft am Fuße des Gebirgsrückens. Wir tauchten ein letztes Mal im Grün der „Klein Karoo“ ein, wartete doch hinter den Bergen der größere, aber auch trockenere Bruder auf uns. Von der Passhöhe nahmen wir noch einen Blick vom Farbenspiel aus der Tiefe des Tales mit, bevor es über die Schotterpiste auf der anderen Seite nach Prinz Albert hinunter ging. Der kleine gemütliche Ort stellt die Letzte oder die erste Oase für den Reisenden dar, abhängig davon aus welcher Richtung man kommt. Für uns hieß es noch einmal durchatmen bevor wir in die Monotonie der großen Karoo eintauchten. Beim Anblick der Landschaft entsteht der Eindruck ein Hyänenfell wurde über einen hügligen Untergrund gelegt. Die karge Vegetation aus Büschen und Gras wächst hier in regelmäßigen Abstand auf dem kräftigen gelben Sand der Karoo. Dazwischen zieht sich die Straße vor uns wie eine Naht durch die Weite der Halbwüste. Erbarmungslos brennt die Sonne vom tiefblauen Himmel herab und lässt so erahnen, welche Entbehrungen das Leben hier wohl bereit hält.

Mit einem halsbrecherischen Brems- und Abbiegemanöver bekam ich gerade noch die Einfahrt zum „Karoo Nationalpark“ kurz vor Beaufort West. „Mensch Beifahrer, ich denke der Eingang zum Park ist hinter der Stadt“. „Eigentlich ja schon…ähh“. Der freundliche Ranger an der Pforte wies uns den Weg und nach einigen Kilometern parkeinwärts fanden wir auch den Zeltplatz. Für einen afrikanischen Nationalpark ist dieser hier in der Karoo verhältnismäßig klein. Dennoch vermag man bei Ausflügen nicht an die Grenzen des Parks zu stoßen. Auf einem Areal von ungefähr 50 x 25 km findet man den Großteil der Tiere, die in der Karoo beheimatet sind. Da es im Park auch eine Gruppe Kätzchen gibt, bei denen „Homo Sapiens“ auf die Speisekarte passen würde, ist freies herumlaufen nur eingeschränkt möglich.
Aus diesem Grund ist auch unserer Zeltplatz nur für Tiere zugänglich die aufgrund ihrer Größe unter oder zwischen dem Stromzaun hindurch passen. Der Rasen war diesmal nicht ganz so gut und lag auf Torraum Niveau beim Kreisklassen Fußball. Bei der restlichen Ausstattung gab es wie immer, so auch hier in der „Wildnis“, nichts zu meckern. Aufgefallen ist uns dabei insbesondere die Größe der Tiefkühltruhe, die zur Not auch als Zwischenlager auf dem städtischen Friedhof herhalten könnte.
Auf dem kreisrunden Gelände hatten sich jede Menge Campingbegeisterte eingefunden und frönten ihrer Leidenschaft. Die Ausstattung variierte dabei gewaltig. Vom normalen PKW mit Zelt bis zum Expeditionsfahrzeug mit Anhänger war alles vertreten. Und so verwunderte es auch nicht, dass einige schon relaxten während andere noch mit dem Auf- Um- Ausbau beschäftigt waren.
Der Tagesablauf in den Nationalparks ist einfach strukturiert, jahrein… jahraus. Kurz vor Sonnenaufgang ist der Start: Aufstehen, Exkursion in die Wildnis, Braai (BBQ), Schlafen. Wir hielten uns grob an die Vorgaben, nur dass unsere Touren nicht so lang ausfielen und noch ein wenig Relaxen zwischen Exkursion und Braai passte. Tiere sahen wir natürlich auch. Diesmal zwar nicht die „Big 5“- (Löwe, Nashorn, Giraffe, Elefant, Büffel) dafür mal etwas ausgefalleneres wie Karakal, Schildkröten, Puffotter… aber auch Zebra, Springbock, Strauß, Kudu und Gemsbock. Der Puffotter begegneten wir übrigens auf dem Zeltplatz. Gefährlich an ihr ist nicht nur das tödliche Gift, sondern auch die Tatsache, dass sie nicht flüchtet, wenn sich etwa auf sie zu bewegt, was sie eh nicht verschlingen kann und pauschal mal zubeißt. Erlebnisse dieser Art enden meist abrupt und einseitig nach 1o Minuten.

Wir reisen weiter in Richtung Süden mit Ziel Mossel Bay. Bei unserer Ankunft im landesweit bekannten Urlaubsort am Meer waren wir schon ein wenig überrascht, dass immer noch so wenig los war. Nicht dass wir uns Massen an Touristen gewünscht hätten, aber gerade in einer typischen Feriengegend fühlt sich Leere etwas komisch an. Dies mussten wir dann auch auf unserem Zeltplatz feststellen. Bei 40 von 40 freien Zeltstellplätzen fiel die Auswahl recht schwer. Ein typisches Überangebotsproblem. Von Mossel Bay aus starteten wir unsere Ausflüge in die Umgebung, wollten wir uns doch noch den Teil der Garden Route bis Knysna ansehen, eines ultimativen „must see“ für jeden Besucher in Südafrika. Aus unserer Sicht bietet diese Landschaft mit ihren wunderschönen Küstenabschnitten und Wäldern im Hinterland jede Menge für das Auge. Da die Menschen natürlich auch hier von etwas leben müssen, hat man sich nach den Bedürfnissen des Tourismus ausgerichtet – Geschmackssache also, aber garantiert mit einem relativ flachen Spannungsbogen in Bezug auf Abenteuer.

Wir traten daher auch den Rückweg nach Kapstadt einen Tag früher als geplant an, um noch eine Nacht in der „Amber Lagoon“ verbringen zu können. Nach einem leckeren Pancake Frühstück am nächsten Morgen bei Susanne brachen wir bei herrlichem Wetter in Richtung Cape Town auf und genossen dabei noch einmal die Landschaft entlang der Route 62, womit unserer kleiner Ausflug auch endete.

Viele Grüße von euren beiden Weltenbummlern

Angie & Thomas

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